Expat-Leben: Trennung im Ausland

Trennung im Ausland - www.expatmamas.de - DubaiWenn man ins Ausland geht, zerbricht man sich über eine Menge den Kopf: Wie wird der Alltag in der neuen Heimat sein? Werde ich Freundinnen finden? Kommen die Kinder zurecht? Man versucht alle möglichen Eventualitäten vorauszudenken: Was wäre wenn … Aber über eine der Möglichkeiten macht man sich wahrscheinlich keine oder nur wenige Gedanken: Was wäre, wenn unsere Beziehung/Ehe das Expat-Kapitel nicht übersteht? Das ist sicher menschlich, denn wieso sollte man sich über etwas Sorgen machen, das so abwegig erscheint?

Man ist zu zweit oder als Familie in das Abenteuer gestartet; vielleicht sagt man sich: wenn es nicht klappt, dann gehen wir eben wieder heim – aber dass man nicht mehr zusammen zurückkehrt, schließen wir als Option meistens aus. Dabei bietet das Expat-Leben viel emotionalen Sprengstoff – jeder kämpft mit seinen persönlichen Anpassungsschwierigkeiten, die man vor sich oder anderen mehr oder weniger eingesteht. Dadurch entstehen neue Beziehungsgefüge, man lernt einander in mancher Hinsicht neu kennen. Manchmal sind es ganz banale Dinge: Ich erinnere mich gut daran, dass es mir am Anfang fast peinlich war, in Gegenwart meines Mannes so viel Englisch zu sprechen. Ich fand, meine Stimme hörte sich anders an, ich hatte Angst, mich lächerlich zu machen, fühlte mich beobachtet. Heute denke ich: völlig unnötig. Aber man muss sich eben erst heran tasten.

Außerdem treten unter den Expat-Bedingungen unterschwellige Konflikte manchmal wie unter einem Brennglas hervor, weil man gerade in der Anfangszeit sehr auf sich selbst fokussiert ist. Oder aber die Expat-Aufregungen überlagern Beziehungsprobleme und man übersieht Alarmzeichen und am Ende bleibt nur die Trennung.

Vor einigen Wochen haben wir bei den Expatmamas auf Facebook einen Artikel über gescheiterte Expat-Ehen in Singapur geteilt, der viele von euch sehr beschäftigt hat. Ich war beim Lesen genauso betroffen wie ihr: eine Trennung ist an sich schon sehr schwer, aber die rechtlichen Hürden werden durch die Komponente Ausland noch komplizierter, der Sorgerechtsstreit noch schmerzhafter, die Entscheidungsspielräume für Expatmamas noch enger. Gerade die finanzielle Abhängigkeit ist häufig gravierender als daheim. Je nach Entsendungsland, je nach Art der Trennung stellen sich die Schwierigkeiten anders dar. Da ich keine Juristin bin, kann und möchte ich hier keine Empfehlungen geben – außer einer:

Je weiter eure Expat-Destination vom hiesigen Rechtssystem abweicht, desto ratsamer ist es, sich vor der Ausreise von einem Familienanwalt für den Fall der Fälle beraten zu lassen und notariell festzulegen, dass Deutschland der Gerichtsort sein soll. Vor allem die Unterhaltsfrage sollte geklärt werden.

Wer das unromantisch, gar weit hergeholt findet, der denkt vielleicht anders, wenn er mein heutiges Expat-Interview (weiter unten) liest. Als Mitausreisende, die ihre berufliche Laufbahn unterbricht, kann es für euch mitunter sehr schwer werden, den Lebensunterhalt nach einer Trennung zu bestreiten und die Rückkehr nach Deutschland birgt enorme Kosten. Trotzdem: Dieser Hinweis soll euch auf keinen Fall abschrecken, das Expat-Abenteuer zu wagen. Man muss sich nur klar sein darüber, dass man im Ausland nicht vor den Fallstricken des Lebens gefeit ist, dass man nicht immun ist gegen jede Unbill. Und dass das Abenteuer Ausland nicht zwangsläufig zu Ende sein muss, weil die Beziehung endet, zeigt mein Gespräch mit einer tollen (inzwischen ehemaligen) Expatmama, die euch ihre Geschichte im Interview hier erzählt.

Alleinerziehend im Ausland – Eine Expatmama im Gespräch

e/m: Liebe A.* (*Name auf Wunsch anonymisiert), ich freue mich sehr, dass Du uns heute deine Geschichte erzählst. Du hast unglaublich viel erlebt: drei Auslandsstationen, beide Töchter sind im Ausland geboren und zuletzt hast du als Alleinerziehende im Ausland gelebt. Jetzt seid ihr seit einem dreiviertel Jahr in Berlin. Geht es euch gut hier?

A: Ja, wir gewöhnen uns allmählich ein. Für die Mädchen (8 und 11) ist es sicher schwerer, denn sie haben noch nie vorher in Deutschland gelebt. Im Mai können wir unser Haus beziehen und der Container kommt endlich. Das wird sicherlich helfen.

e/m: Wann seid ihr zum ersten Mal ins Ausland gegangen? Und für wie lange sollte die Entsendung sein?

A: Mein Ex-Mann und ich sind Anfang 2003 zum ersten Mal gemeinsam ins Ausland gegangen. Ursprünglich war es eine der sogenannten „short-term-delegations“ für 12 Monate nach Singapur. Sie wurde aber zweimal verlängert und so sind dann drei Jahre daraus geworden.

e/m: Damals hattet ihr noch keine Kinder, richtig?

A: Richtig. Als wir nach Singapur gegangen sind, kannten wir uns erst ein paar Monate und ich habe damals gedacht, dass das Jahr dort eine gute Gelegenheit sein würde, uns richtig kennenzulernen und um zu reisen. Eigentlich war geplant, dass wir im Anschluss nach Deutschland zurückkehren und ich wieder in meinem alten Beruf als Journalistin arbeiten würde. Als klar war, dass die Delegation sich verlängert, haben wir in Singapur geheiratet und nach zwei Jahren wurde dort unsere erste Tochter geboren.

e/m: Habt ihr euch in Singapur wohl gefühlt?

A: Oh, ja. Wir hatten uns sehr gut eingelebt, die Bedingungen waren am Anfang aber auch geradezu traumhaft: Wir hatten keine Kinder und ich bin auf viele der Geschäftsreisen meines Ex-Mannes mitgefahren, da ich mir ja ein Jahr Auszeit vom Job genommen hatte. Wir hatten viele Freunde; unsere erste Tochter kam dort zur Welt.

e/m: Wie begannen dann eure Probleme in der Ehe?

A: Die Konflikte begannen, als wir aus Singapur weg mussten, obwohl es uns dort sehr gut gefallen hatte. Der Expat-Vertrag war zu Ende, aber die sog. Rückkehrgarantie bot meinem Ex-Mann keine attraktive Job-Perspektive in Deutschland. Er ist daher zu einer Tochterfirma gewechselt und wir sind nach Wien gezogen, wo ich trotz kleinem Kind und Hund kaum Anschluss gefunden habe. Mein Ex-Mann war immer noch ständig auf Reisen und ich war viel allein zu Hause und habe mich um unsere Tochter gekümmert. Als 2007 das Angebot kam, nach Dubai zu ziehen, haben wir auf eine Art Neuanfang gehofft, der aber – obwohl wir dort unsere zweite Tochter bekommen haben – nicht geglückt ist.

e/m: Wie verlief die Trennung?

A: Die Trennung verlief zunächst schleichend, wir wussten beide, dass unsere Ehe nicht mehr funktionierte, aber wir hatten zwei kleine Kinder und ein sehr angenehmes Leben mit vielen Freunden in Dubai, also haben wir eben „durchgehalten“. Die richtige Trennung kam dann mit einem Paukenschlag, als mein Ex-Mann mir eröffnete, dass er nicht nur zurück nach Deutschland sondern auch seinen Beruf aufgeben wolle, um nochmals zu studieren. Ich war zunächst wie vor den Kopf geschlagen und habe versucht, das Ganze und ihn zu verstehen. Ziemlich schnell habe ich dann aber herausgefunden, dass mein Ex-Mann eine Freundin in Deutschland hatte und deshalb zurückwollte.

e/m: Was würdest du rückblickend sagen, wie es soweit gekommen ist? Inwieweit spielte es eine Rolle, dass ihr im Ausland gelebt habt?

A: Das ist schwer zu sagen. Vielleicht hätten wir ohne den Auslandsaufenthalt nicht geheiratet?

Ich denke, im Ausland zu leben, war nicht der Grund, aber es hat vielleicht Probleme übertüncht.

Die Dynamik der Umzüge, des vielen Neuen, hat anderes in den Hintergrund gedrängt. Unsere Beziehung war mit ständigem Wechsel verbunden und als in Dubai zum ersten Mal eine Ruhephase einkehrte, traten die Probleme zu Tage.

e/m: Was bedeutete die Trennung konkret für dich?

A: Ich konnte mir nicht vorstellen aus Dubai wegzugehen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits seit fünf Jahren in Dubai und ich hatte seit fast 10 Jahren nicht mehr in Deutschland gelebt. Ich hätte nicht gewusst, wohin. In Deutschland habe ich zwar noch einige Freundinnen, aber die wohnen alle in unterschiedlichen Städten. Meine Mutter ist gestorben als ich 18 war und mein Vater und mein Bruder haben mich zwar unterstützt, aber sie hätten mir nicht mit den Kindern (damals 4 und 7 Jahre alt) helfen können. In Dubai dagegen hatte ich einen tollen Freundeskreis und meine Kinder kannten nur das Leben dort, also habe ich mich entschlossen, trotz der Trennung dort zu bleiben.
Zwei Wochen nach der Trennung ist meine jüngere Tochter an Diabetes Typ 1 erkrankt, was mich in meinem Entschluss bestärkt hat: Ich wollte sie in dieser Situation – Eltern frisch getrennt und sie plötzlich krank – auf keinen Fall aus ihrem gewohnten Umfeld reißen und von ihren Freunden entfernen. Mein Ziel war es, ihr soviel Stabilität wie eben möglich zu bieten.
Mein Ex-Mann war entsetzt über meinen Entschluss. Er hat seinen Job in Dubai gekündigt und ist nach Deutschland gezogen.

Er hat alles getan, damit ich mit den Kindern auch zurück muss – vor allem aus finanziellen Gründen.

Es ging ihm zum einen darum, dass er nicht weiter zumindest seinen Anteil am Schulgeld (in Dubai müssen alle Ausländer auf Privatschulen gehen) und die private Krankenkasse für die Kinder zahlen wollte – bisher war sein Arbeitgeber in Dubai für den Großteil der Kosten aufgekommen. Zum anderen natürlich auch um die hohen Umgangskosten durch die räumliche Entfernung.
Er hat sich geweigert, den Dubai-Visumsantrag für seine Kinder zu unterschreiben und ist sogar soweit gegangen die Schule der Kinder zu informieren, dass sie kein Visum hätten – was normalerweise bedeutet, dass sie die Schule hätten verlassen müssen, da ein gültiges Visum Voraussetzung für den Schulbesuch in Dubai ist. Gott sei Dank war der Schuldirektor sehr offen für mein Problem und hat mich nicht bei der Schulbehörde gemeldet. Ich habe dann ein Sorgerechtsverfahren in Deutschland angestrengt und vor Gericht das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder bekommen. Leider hat das Verfahren ziemlich lange gedauert und ich musste fast ein Jahr lang mit den Kindern jeden Monat in den Oman ausreisen, um zumindest ein Touristenvisum für sie zu bekommen, damit sie nicht vollkommen illegal in Dubai leben.

e/m: War es schwierig, zu erreichen, dass Deutschland der Gerichtsort für eure Scheidung war?

A: Nein, denn in Dubai gilt die Scharia und die ist auf nicht-muslimische Ausländer nicht anwendbar. Außerdem lebte mein Ex-Mann zu dem Zeitpunkt schon in Deutschland. Ich habe über einen Freund in Dubai einen deutschen Anwalt gefunden. Die Scheidung wurde ohne meine Anwesenheit vollzogen. Im Nachhinein würde ich das allerdings nicht unbedingt empfehlen. Ich denke, ich hätte bessere Bedingungen für mich erreichen können, wenn ich vor Ort gewesen wäre. Für das Sorgerecht musste ich nach Deutschland kommen und die Kinder mussten leider eine Vernehmung über Skype über sich ergehen lassen, da sie sich persönlich zu ihrem Wohnort-Wunsch äußern mussten. Außerdem mussten sie ebenfalls bei dem Gerichtstermin wegen des Sorgerechts anwesend sein.

e/m: Welche Unterstützung hattest du außer deinem Anwalt?

A: Meine Familie, vor allem mein Vater, hat mich sehr unterstützt, ohne ihre Hilfe hätte ich sofort nach Deutschland zurückkehren müssen. Und meine Freunde in Dubai waren toll, sie haben mir sehr viel mit den Kindern und auch im Alltag geholfen. So konnte ich einen Großteil meines Lebensunterhalts durchs Schreiben bestreiten. Mein Vater hat mich allerdings auch finanziell unterstützt.

e/m: Als Alleinerziehende im Ausland zu bleiben, noch dazu in Dubai, scheint nicht für jeden das Naheliegende.

A: Für mich war es zu dem Zeitpunkt gar nicht die Fremde. Im Gegenteil. Dubai war meine Heimat. Es war der Ort, an dem ich seit meinem 18. Lebensjahr am längsten am Stück gelebt hatte. Dort hatte ich Wurzeln, viele Freunde, die dort langfristig lebten, z.B. Briten, die schon in der zweiten Generation in Dubai sind. Und für die Mädchen war es sowieso ihr Zuhause. Sicher gab es auch praktische Gründe. Da war das Haus, das mir zugesprochen wurde. Wir hatten es gekauft, weil mein Ex-Mann damals einen lokalen Vertrag hatte. So konnte ich deutlich günstiger leben als andere Expats, die normalerweise zur Miete wohnen. Da war die tolle medizinische Betreuung für meine Tochter an der Schule. Jede Auslandsschule in Dubai hat pro 500 Schüler eine Krankenschwester. Das war für meine Tochter lebenswichtig. Hier in Berlin ist sie völlig sich selbst überlassen (was ein Skandal ist), aber inzwischen ist sie groß genug, sich alleine zu spritzen.

e/m: Wie viel länger als dein Ex-Mann seid ihr noch geblieben?

A: Wir sind noch drei Jahre länger geblieben. Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem Vieles zusammenkam, was für eine Rückkehr sprach. Zum einen das Alter der Kinder: Ich wusste, wenn ich noch einmal nach Deutschland wollte, dann musste ich das vor dem Wechsel in die höhere Schule machen (in Berlin nach der 6. Klasse). Meine Kinder kannten keine Schule nach dem deutschen System, irgendwann wäre der Zug abgefahren. Dann das Finanzielle: Wir konnten gut leben, hatten aber keinerlei Spielraum. Es durfte nichts passieren. Als wir jetzt z.B. an Ostern zu Besuch bei Freunden in Dubai waren, gab es sintflutartigen Regen, der das ganze Haus überschwemmt hat. Wer in Dubai hat eine Flutversicherung? So etwas hätte uns ruiniert. Als wir uns zur Rückkehr entschlossen, waren die Hauspreise in Dubai gut, der Euro schwach – an so etwas muss man denken. Und natürlich das Familiäre. Mein Vater wird auch älter.

e/m: Wie war die Rückkehr alleine? Musstest du alles selbst organisieren?

A: Ja. Natürlich. Ich musste alles allein machen und bezahlen. Mein Ex-Mann hatte in Dubai die Firma gewechselt und war auf einem lokalen Vertrag, als wir uns getrennt haben. Ein entsendendes Unternehmen gab es nicht mehr und ich denke, das hätte mir auch einen gehustet, wenn ich die Umzugskosten für mich und die Kinder verlangt hätte (um das mal salopp so auszudrücken).
Ich habe die Rückkehr allein als sehr anstrengend empfunden, da die Auflösung des Haushalts in Dubai nach 8 Jahren allein schon ein großes Unterfangen war. Ich habe versucht, den Hausstand so weit wie möglich zu reduzieren. Wir kamen mit einem 40ft-Container und gingen mit einem halben 20ft Container. 🙂 Dann musste ich unser Haus verkaufen, die Umsiedlung der Tiere organisieren, neue Schulen für die Kinder in Deutschland finden usw.

e/m: Wie ist die Wahl auf Berlin gefallen?

A: Berlin war mein letzter Wohnort in Deutschland. Hier lebt mein Bruder mit seiner Familie und als freie Journalistin und Autorin ist es auch nicht der schlechteste Ort.

e/m: Herzlichen Dank für das offene Gespräch! Ich wünsche Dir viel Kraft für den endgültigen Einzug und deinen Mädchen weiter gutes Einleben.

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