Neue Blog-Serie: Third Culture Kids

Neue Blog-Serie: Third Culture Kids - www.expatmamas.de - TCK Mit dem Umzug ins Ausland zählen unsere Kinder früher oder später zu den sogenannten Third Culture Kids (TCKs). Sie verbringen einen Teil ihrer Entwicklungsjahre in einer Kultur, die nicht die ihrer Eltern ist, die aber durch ihren Expat-Status auch nicht identisch ist mit der ihres Gastlandes, sondern eben eine Mischung. Das ist kein Makel, sondern zunächst nur eine Tatsache, die wir uns immer wieder vor Augen führen sollten, um unsere Kinder besser zu verstehen. Wichtig ist, sich bewusst zu machen, dass Third Culture Kids auch nach der Rückkehr nach Deutschland durch ihre besonderen Erfahrungen immer anderes geprägt sein werden als ihre Eltern und erst recht als ihre Altersgenossen; einmal TCK immer TCK.
Welche Chancen, aber auch welche Schwierigkeiten sich dadurch für unsere Kinder ergeben, wird Ann Wöste, selbst Mama zweier TCKs und Coach für ebensolche in den nächsten sechs Wochen hier in der neuen Expatmamas-Blogserie beschreiben. Ich freue mich sehr, dass Ann ihr Fachwissen und ihre eigene Auslandserfahrung hier mit uns teilt, damit alle Expatmamas davon profitieren können.

Warum werden Kinder Third Culture Kids?

Ein Gastbeitrag von Ann Wöste

Wenn Eltern entscheiden aus beruflichen Gründen für mehrere Jahre ins Ausland zu gehen, ist ihnen meist gar nicht bewusst, dass sie damit auch für ihre Kinder die Entscheidung getroffen haben, dass sie als sogenannte Third Culture Kids aufwachsen. Manche sprechen auch von transnationalen Kindern oder auch globalen Nomaden, aber ich finde Third Culture Kids trifft es besser:

„Ein Third Culture Kid (TCK) ist eine Person, die einen bedeutsamen Teil ihrer Entwicklungsjahre außerhalb der Kultur ihrer Eltern verbracht hat. Ein TCK baut Beziehungen zu allen Kulturen auf, nimmt aber keine davon völlig in Besitz. Zwar werden Elemente aus jeder Kultur in die Lebenserfahrung der TCKs eingegliedert, aber ihr Zugehörigkeitsgefühl bezieht sich auf andere Menschen mit ähnlichem Hintergrund.“

So lautet die wohl gängigste Definition, die aus dem Buch „Third Culture Kids – Aufwachsen in mehreren Kulturen“ von David C. Pollock und Ruth E. Van Reken stammt.

Als „Erstkultur“ bezeichnet man das Ursprungsland, das im Pass steht; als „Zweitkultur“ das Gastland, in dem die Familie lebt, und als „Drittkultur“, den gemeinsamen Lebensstil der Expat-Gemeinschaft. Jedes Expat-Kind wird also ohne unser Zutun automatisch ein TCK.

Kinder, die einige Jahre im Ausland aufwachsen, haben also engen Kontakt zu mehreren unterschiedlichen Kulturen. Sie lernen, dass es zu bestimmten Fragen nicht nur die eine richtige Sichtweise gibt, sondern sie können schon früh ihre Perspektive verändern. Es ist ein reiches und vielseitiges Leben, das gerade in internationalen Schulen Kontakt zu sehr unterschiedlichen Menschen und Lebensweisen ermöglicht. Und wer möchte nicht so viel Lebenserfahrung bereits in jungen Jahren für seine Kinder? Mein Sohn ist beispielsweise seit unserer Rückkehr immer derjenige, den die Lehrerin neben neue Schüler setzt, seien es nun Zirkuskinder, die nur zwei Wochen am Schulunterricht teilnehmen oder Flüchtlingskinder, die in die Klassengemeinschaft integriert werden sollen. Sie weiß, dass er fremden Kulturen und Sprachen gegenüber offen ist und die Erfahrung, irgendwo neu zu sein, nur zu gut kennt. Er findet immer einen Weg der Kommunikation und sprach schon in der zweiten Klasse sehr gut Englisch.

Eltern, die vor der Frage stehen, das Abenteuer Auslandsentsendung zu wagen, sehen häufig die Chancen, die sich dadurch für ihren Nachwuchs ergeben. Bei Befragungen werden als Pluspunkt meist zuerst die Auslandserfahrung und das Erlernen einer neuen Sprache genannt. Es gibt, wenn nicht gerade an einem neuen Standort Pionierarbeit geleistet wird, gute deutsche oder internationale Schulen und Kindergärten. Oft haben Expats einen recht privilegierten Lebensstil und sie reisen in exotische Länder, so dass das Expat-Kinder-Leben reich an Mitteln und Eindrücken ist.

Aber natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt, und ich möchte dazu beitragen auch ein Bewusstsein zu schaffen für die Schattenseiten, die ein Leben zwischen den Kulturen haben kann. In meinen Beiträgen zu diesem Thema wird es auch um die Stolpersteine gehen, die dieser Lebensstil mit sich bringen kann. Je besser wir als Eltern über diese sensiblen Phasen Bescheid wissen, desto besser können wir mit Planung, Bewusstsein und einem offenen Ohr für unsere TCKs den Weg ebnen, damit die vielen Vorteile am Ende überwiegen.

Durch meine persönliche Erfahrung als Mutter von zwei Kindern, die den größten Teil ihres bisherigen Lebens außerhalb von Deutschland verbracht haben, liegt mir dieses Thema auch persönlich sehr am Herzen. Für mich war es vor vielen Jahren sehr erhellend, Probleme, die in unserer Familie auftauchten, im Zusammenhang mit unserem Lebensstil zu betrachten. Das nimmt uns Eltern bei unseren Entscheidungen zwar noch stärker in die Verantwortung, gibt uns aber auch die Möglichkeit den Auslandsaufenthalt so zu gestalten, dass er für alle gesund und bereichernd ist.

Ich hoffe, ich werde in meinen Beiträgen viele Fragen beantworten können, und freue mich auf eure Kommentare hier oder an coaching@die-globale-Familie.de.

Third Culture Kids - www.expatmamas.de - Portrait Ann Wöste CoachAnn Wöste ist zertifizierter Schema- und Hypno-Coach. Das Thema, sich auch als globale Nomaden zu Hause fühlen zu dürfen, liegt ihr sehr am Herzen. „Überall zu Hause“ heißt deshalb ihr Coaching-Angebot für Expat-Partner und Third Culture Kids.  Im November beendet sie ihre Weiterbildung in Köln beim IPE (Institut für Potentialentfaltung) zum Kinder- und Jugendcoach, um künftig mit minderjährigen TCKs arbeiten zu können.

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