Unser Glückskeks im Mai

Arztbesuch - www.expatmamas.de - England Besuch in der Surgery #imauslandzuhauseArztbesuch

„Der Doktor und das liebe Vieh“ – erinnert sich vielleicht noch jemand an diese BBC-Fernsehserie der späten 70er und 80er Jahre (Originaltitel: All Creatures Great and Small)? Egal. Muss man auch nicht. Aber mir schoss unwillkürlich diese Analogie durch den Kopf, als ich eines Mittags von einem Arzttermin heimwankte in breitem Cowboy-Schritt. Ich war zwar nicht beim Tierarzt gewesen (den Versuch unserer Nanny, die Kinder mit einem Aquarium zu beglücken, konnten wir in letzter Minute abwenden), nein, ich hatte einfach nur im Nachbardorf unsere übliche Surgery besucht. Und dieser Besuch hatte es in sich.

Wir lebten in England sehr idyllisch: Schafweiden vor dem Fenster, ab und zu mal Fasane im Garten und Häschen säumten im Frühjahr die Straßenränder der von Hecken gerahmten Country Roads. Unsere Surgery, die Allgemeinarzt-Praxis im Nachbardorf, war nigelnagelneu auf einen Hügel gepflanzt worden und der Parkplatz bot einen herrlichen Blick über Koppeln und Weiden. (Leider ging auf der Hügelkuppe auch immer ein ordentlicher Wind, sodass die Kinder das Brüllen anfingen, sobald ich die Autotür öffnete. Aber ich schweife ab.)

Nun war ich also zum Smear Test geladen, dem Abstrich zur Krebsvorsorge. Inzwischen war ich schon soweit akklimatisiert, dass ich wusste, dass mein deutscher Reflex, damit zu einem Gynäkologen zu gehen, in England fehl am Platze ist. Natürlich geht man damit in die Surgery. Meine einzige Sorge war, dass in der Surgery neben drei Ärzten nur e i n e Ärzt i n arbeitete und ich womöglich einem der Doktoren zugeteilt würde. Doch diese Sorge war unbegründet; denn wie sich herausstellte, gehörten die Smear-Tests zu den Aufgaben der Nurses. Kurzes Aufatmen. Und dann sah ich SIE: sonnengebräunt im Bleistiftrock und hochhackigen Schuhen (nach kurzer Schätzung locker sieben Zentimeter Absätze), mit langen rot lackierten Nägeln und an jedem Finger mindestens einem goldenen Ring stakste die Nurse zielstrebig im Wartezimmer auf mich zu. Meine Hoffnung war, dass sie mich vielleicht nur ins Untersuchungszimmer begleiten würde. Fehlanzeige. Ich konnte nur noch an diese Fingernägel denken, während ich versuchte, mich auf der Liege einzurichten. (Denkt nur nicht, dass es dafür einen Gynäkologen-Stuhl gäbe.) Auch Handschuhe werden hierzulande überbewertet (und diese Fingernägel hätten sie ohnehin durchbohrt). Kurz die Instrumente aus einem Eimerchen im Waschbecken gefischt, rein damit und zack und fertig. Ich wusste kaum, wie mir geschah, nur spüren konnte ich es Stunden später noch immer ziemlich deutlich. Drei Minuten später stand ich also schon wieder auf dem Parkplatz und vielleicht war die Landidylle um mich rum schuld an meiner spontanen Tierarzt-Assoziation. Vielleicht auch, weil ich mich wie ein Schaf fühlte, das sich hatte überrumpeln lassen, oder wie die dumme Kuh, die den Mund nicht aufbekam, um zu sagen: „He, Moment mal! So soll das hier ablaufen?“ Jedenfalls war der Schlüssel noch nicht im Zündschloss, da stand für mich fest: Die nächste Vorsorge mache ich definitiv in Deutschland. Manche Expat-Privilegien kommen grade recht. (Jonna, ehm. Naseby)

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