Expat-Leben: Was für mich

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Ich gehöre zu den Leuten, die meinen alles (oder zumindest vieles) mit sich selber ausmachen zu müssen. Manchmal kaue ich wochen- oder sogar monatelang auf Themen herum und es kann schon mal passieren, dass ich das erst merke, wenn ich die Kinder grundlos anraunze oder bei einer Massage merke, wie plötzlich die Tränen quellen. Es tropft durch das Luftloch in der Liege und mir wird klar, dass sich etwas Bahn bricht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das Mama-Sein gepaart mit dem Expatleben (oder auch jedes schon allein für sich) bietet jede Menge Stoff, mit sich zu ringen, eine Balance zu finden zwischen eigenem Anspruch und äußeren Gegebenheiten. Der Alltag wird durch Kinder und Ausland ordentlich durchgerüttelt. Ich hatte manchmal das Gefühl, ich justiere ständig nach. Jeden Tag. Weil sich Schlafrhythmen ändern, Essgewohnheiten, Kursprogramme… Weil plötzlich Wasser durch die Decke tropft oder der Linksverkehr ein Vorderrad gekostet hat. Permanent müssen Kleinigkeiten entschieden werden, ohne dass man weiß, nach welchen Kriterien man entscheiden soll, weil man sich nicht auskennt. Blog schreiben, nähen lernen, Fernstudium anfangen oder doch einen Expat-Coffee-Morning organisieren? Man wägt tagein tagaus dieses oder jenes ab und kann sich oft nicht entscheiden.

Es heißt so schön, dass alle Antworten in einem selbst liegen, aber es ist verdammt schwer, dass sie da nicht nur liegen bleiben sondern auch mal aufstehen und sich zeigen. Jedenfalls bei mir. Und während ich gerne monatelang in meinem eigenen Saft schmore, kam ich auf einen Gedanken nie: einen Coach zu fragen. Coaching war für mich verbunden mit Personalentwicklung, Businessthemen aber doch nicht mit dem Expatmama-Leben. Bis ich in diesem Jahr Julia kennen lernte und mit ihr über das Coaching sprach, das ich leider nie gemacht habe. Sie bietet als Ex-Expatmama ein tolles Expat-Express-Coaching an für alle, die so lange Themen mit sich rum schleppen, bis sie förmlich aus den Augen tropfen. (Und wer nicht so lange warten will, darf sie trotzdem buchen ;-)

Ein Gespräch darüber, warum es gut tut, etwas für sich zu tun

e/m: Liebe Julia, du bist zum Coaching gekommen, weil du in deiner Expat-Zeit selbst ein Coaching gemacht hast. Wie bist du auf die Idee gekommen, die ich nie hatte?

Julia MederJulia: Ich habe mein Leben lang nach meiner Berufung gesucht. Mein Vorbild war immer meine Schwester, die Klavierbaumeisterin ist und gegen alle Widerstände und Hürden es geschafft hat, ihren Traumberuf zu leben. Das wollte ich auch. Aber ich wusste nie, was es war. Einer guten Freundin von mir ging es ähnlich und wir haben uns oft darüber unterhalten, dass wir gern etwas machen wollten, das uns mehr erfüllt. Als ich dann in den USA lebte, war meine Freundin zeitgleich Expat in Brasilien. Bei unserem ersten Wiedersehen nach einem Jahr traf ich einen andern Menschen wieder! Sie war wie verwandelt. Es war unglaublich. Meine Freundin hatte ein Karriere-Navigator-Coaching gemacht und war so zufrieden und glücklich. Ich weiß noch, wie ich sie den ganzen Abend angestarrt und gedacht habe: Das will ich auch! Also habe ich während eines Deutschlandbesuchs auch das Karriere-Navigator-Coaching gemacht.

e/m: Und hat sich erfüllt, was du dir erhofft hast?

Julia: Ja, ich wollte die gleiche Klarheit und Ruhe, die meine Freundin durch das Coaching bekommen hatte und dafür war diese Art von Coaching genau richtig. Man bekommt ein umfassendes Bild von sich und seinen Wünschen und Fähigkeiten und weiß dann, was seine Berufung ist. Bei mir kam raus, dass ich Coach und Autorin werden sollte, um wirklich glücklich zu sein. Erst dachte ich: Das ist ja toll, denn das kann ich in dem Unternehmen nicht machen, in dem ich gearbeitet habe und spießigerweise auch in Rente gehen wollte. Deswegen habe ich das erst einmal beiseite geschoben, ein paar Wochen sacken lassen und mir dann ein Herz gefasst und noch in Raleigh meine Coaching-Ausbildung gemacht. Vom ersten Tag der Ausbildung an wusste ich: Hier bin ich richtig. Und danach war dann alles relativ leicht. Denn ich kannte den Weg.

e/m: Wie darf man sich nun ein Coaching bei dir vorstellen?

Julia: Ich unterscheide zwischen drei verschiedenen Formen von Coaching. Zum einen das “normale” Coaching, dann das Karriere Navigator Coaching und dann noch etwas, das ich speziell für die Partner von Expats anbiete: eine Art Express Coaching.

Beim regulären Coaching haben wir alle ein oder zwei Wochen eine Sitzung von einer Stunde. Dies mache ich entweder in meinen Coaching-Räumen oder über Skype. Im Vorfeld klären wir ab, an welchen Themen die Klientin arbeiten möchte. Wenn sie das noch nicht genau weiß, dann erarbeiten wir das in der ersten Stunde zusammen. Danach kommt die Klientin zu jeder Stunde mit einem Thema, über das wir sprechen. Im Grunde ist Coaching ein Gespräch. Ich bin darin geschult ganz genau hinzuhören und die richtigen Fragen zu stellen. Manchmal gibt es eine Art Hausaufgabe zwischen den Sitzungen. Die ersten Ergebnisse sieht man nach rund drei Monaten.

Gegenüber diesem langfristigen Coaching ist das Express-Coaching eher punktuell. Ich biete es vor allem für die Partner von Delegierten an, weil ich festgestellt habe, dass es gerade in diesen Situationen im Ausland oder auch bei der Rückkehr oft Momente gibt, in denen man eine schnelle, kurzfristige Ansprache und Lösung brauchen kann. Da will man nicht noch zehn Tage bis zum nächsten Termin warten. Das bedeutet konkret, dass mir jemand in einer solchen emotionalen Not-Situation eine Mail schreiben kann, mit der Bitte um ein Kurzcoaching. Ich melde mich innerhalb von zehn Stunden und wir machen schnellstmöglich einen Termin per Skype innerhalb der nächsten Stunden aus. Der Termin dauert nur 20 Minuten, aber das reicht meistens, um wieder zu sich selbst zu kommen, Antworten zu finden und einmal durchzuatmen.

Das Wichtigste an diesem Express-Coaching ist, dass es eine schnelle Hilfe ist für alle, die im Ausland oder auch nach der Rückkehr nach Deutschland einsam sind oder Probleme haben, die sie mit meiner Hilfe lösen möchten.

Es ersetzt kein langes Coaching und ist auch nicht so tiefgreifend. Aber jeder, der Bedarf hat, kann es buchen und es kann, muss aber nicht in ein langfristiges Coaching münden.

Das dritte Coaching, das ich anbiete, das Karriere-Navigator-Coaching, führe ich nur im persönlichen Gespräch durch und nicht über Skype. Es dauert rund vier bis fünf Stunden am Stück, dafür kommt am Ende wirklich ein Bild heraus, was die Berufung der Klientin ist. Dabei ist Berufung nicht nur als Beruf, sondern auch als Lebensweise, also ganzheitlich zu sehen.

e/m: Wieso liegen dir beim Coaching Expat-Frauen besonders am Herzen?

Julia: Aus eigener Erfahrung – nicht nur bei mir sondern auch bei vielen Freundinnen – weiß ich, dass es manchmal schwierig ist, mit dieser Umbruchsituation umzugehen. Man hat zwar ein Mitspracherecht, wenn es um die Entscheidung geht, ins Ausland zu gehen, aber manchmal gestaltet sich die Zeit im Ausland dann doch anders, als man denkt. Oder man macht es, weil man der Karriere des Mannes nicht im Wege stehen will. Dann kommt das Heimweh oder man findet keine Freunde oder es wächst einem der neue Alltag über den Kopf, während der Mann ständig auf Dienstreise ist.

e/m: Hast du Beispiele, mit welchen Fragen Expat-Frauen schon zu dir kamen? Inwiefern konntest du ihnen weiterhelfen?

Julia: Es sind sehr unterschiedliche Themen, aber einige kommen immer wieder: z.B. der Verlust der eigenen Berufstätigkeit. Man freut sich auf die Auszeit, ist am Anfang auch ganz erfüllt mit den Umzugs- und Eingewöhnungsaufgaben und dann meldet sich das schlechte Gewissen, weil man „nichts“ tut. Ich habe mit einer Klientin daran gearbeitet, warum es in Ordnung ist, diese Zeit zu genießen, sich auch auszuruhen und in dem Moment, wo sie sich selbst dafür die Erlaubnis gegeben hat und sich vom Zwang befreit hatte, etwas vorweisen zu müssen, kamen mit einem Mal die Ideen, was sie gerne machen möchte, ganz von allein. Das ist so toll, das mitzuerleben.

e/m: Gibt es auch Situationen oder Probleme, die nicht geeignet sind für ein Coaching?

Julia: Ein Coach ist ein Coach und kein Therapeut. In der Coaching-Ausbildung haben wir gelernt, zu erkennen, wann ein Klient ein Coaching braucht und wann eine Therapie. Wir sind dazu verpflichtet, das ggf. anzusprechen und dem Klienten einen Kontakt zu einem Therapeuten zu vermitteln. Bei Alkoholismus, der Trauer um einen geliebten Menschen oder Burn-Out z.B. ist ein Coaching nicht ratsam. Wenn sich jemand in Therapie befindet, dann kann er mit Absprache des Therapeuten auch ein Coaching nebenher machen. Aber ein Coaching ersetzt keine Therapie.

Man kann sagen, dass ein Therapeut wie ein Archäologe ist, der Vergangenes und Verschüttetes ans Tageslicht bringt und es analysiert. Ein Coach hingegen ist wie ein Architekt, der etwas Gesundes und Gutes nimmt und es noch weiter voranbringt und aufbaut.

e/m: Für mich klingt Coaching ein bisschen nach: “Ich hab es nicht allein hinbekommen.” Dementsprechend hoch ist die Hürde, ein Coaching zu buchen.

Julia: Das ist doch komisch. Du buchst doch auch den Physiotherapeut und denkst nicht: Mist, wieder versagt, weil ich mir die Schultern nicht selbst massiere. Im Gegenteil. Du tust etwas für dich, für dein Wohlbefinden. Ein Coach hilft dir einfach, deine Möglichkeiten zu entdecken. Es ist völlig normal, dass man manchmal betriebsblind für die eigenen Themen ist und einen neutralen Blick von außen braucht. Meist löst sich dann der Knoten und es läuft auf einmal alles viel besser – nicht anders als bei der Massage. ;-)

Das geht uns Coaches übrigens auch so. Wir haben meistens auch eigene Coaches, da wir zwar unsere Klienten gut beraten können, aber manchmal in den eigenen Themen feststecken.

e/m: Warum reicht es denn dann nicht, mit dem Partner oder der besten Freundin zu reden?

Julia: Klar kann ein Gespräch mit dem Partner oder der besten Freundin schon helfen. Aber Familienangehörige und Freunde bringen ihre eigene emotionale Agenda mit und sind daher nicht neutral. Können es gar nicht sein. Wenn zum Beispiel jemand überlegt, ob sie ins Ausland mitgehen soll und das mit der besten Freundin bespricht, dann kann es sein, dass diese ihr abrät, weil sie vielleicht ihre Freundin nicht verlieren möchte oder ihre eigenen Vorbehalte gegen das Gastland auf die Freundin projiziert. Das ist bei uns Coaches anders. Uns liegt nur das Wohl der Klientin am Herzen und wir werden immer darauf hinarbeiten, dass die Klientin für sich den besten Weg findet, mit dem sie glücklich ist. Ich würde zum Beispiel nicht dazu raten, auf jeden Fall ins Ausland zu gehen, weil ich es selber gemacht habe und es so toll finde. Mein Weg muss nicht der richtige für jemand anderen sein.

e/m: Liebe Julia, es ist immer toll sich mit dir zu unterhalten. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich sollte mir zu Weihnachten mal keinen Massage-Gutschein, sondern einen Coaching-Gutschein schenken lassen. :-)

Zu Julias Website Dreamfinder Coaching geht es hier und auf Facebook und Instagram ist sie ebenfalls zu finden.

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