Glückskeks des Monats

Unser Glückskeks im Mai: Mama geht aus

Glückskeks: Mama geht aus - www.expatmamas.de/ - #lebeninengland #vonbabysundbriten #expatleben

Der Ritterschlag der Integration war für mich als Expat, als ich zu meiner ersten Mum‘s Night Out eingeladen wurde! Ein englischer Mädelsabend und ich sollte dabei sein! Was ich nicht ahnte: Der Abend wurde für mich zu einem Lehrstück in englischer Kneipendiplomatie. Und meinen beiden Freundinnen war sicher in keinem Moment bewusst, welche Herausforderung ein Pub-Besuch für die unbedarfte Mama vom Kontinent sein würde.

Die leidige Kleiderfrage

Die erste Hürde war die altbekannte Frage: Was ziehe ich an? Aber nicht im üblichen Sinn.

Wenn ich daheim mit einer Freundin ein Glas Wein trinken würde, wäre ich gewappnet gewesen. Aber in England sehen abends selbst in einer Kleinstadt wie Market Harborough alle ziemlich aufgetakelt aus; Riemchen-High Heels und kurzer Rock scheinen das Mindeste – egal zu welchem Anlass, egal bei welcher Temperatur (egal auch Alter und Figur).

Mein Kleiderschrank bot weder Absätze noch kurze Röcke. Ich entschied mich also für Wollkleid und Stiefel und ging mit einem mulmigen Gefühl, das mich den ganzen Abend nicht mehr verlassen hat. Zwar fiel ich in der Kleiderfrage nicht unangenehm auf, aber die noch größere Klippe war das Getränke-Bestellen. Bloß nicht wie ein Trampeltier über die  ungeschriebenen Gesetze des «Round Paying», des Runden-Ausgebens, stolpern, soviel war mir bewusst. Ich war entschlossen,  mich nicht wieder mal als tumber Kontinentler zu entlarven.

Englische Pub-Regeln

Meine Erleichterung, dass meine englische Freundin die erste Runde holen wollte, wich im selben Augenblick blanker Panik, weil ich auf diese Weise als Erste nach meinem Wunsch gefragt wurde.

Was um Himmels willen trinkt man in einem Pub, wenn man kein Bier mag, keine Ahnung hat, ob der Wein trink- und vor allem bezahlbar ist (man wird ja eingeladen) und man ja auch nicht ausgeht, um an einem Mineralwasser zu nippen?

In diesem Augenblick hielt ich Getränkekarten und Kellner, die am Tisch die Bestellung aufnehmen für wunderbare zivilisatorische Errungenschaften. Ich hätte den anderen galant den Vortritt lassen und mich dann ihrer Auswahl anschließen können.

Ohne Deckung und bar jeglichen klaren Gedankens brachte ich nach einer endlos langen Pause «Bitter Lemon» heraus. And Bitter Lemon it was for the rest of the evening! :-)

Während meine Freundinnen ihren Wein genossen, war ich für den Rest des Abends auf Soft Drinks abonniert.

Merke: Steige in den Getränke-Poker nicht zu niedrig ein, denn man kann schlecht nachlegen oder «up-graden», wie es neudeutsch so schön heißt.

Und die zweite Klippe war auch schon in Sicht. War ich – als Nicht-Einheimische – jetzt gefragt, die zweite Runde zu ordern? Und wenn ja, wann ist der beste Zeitpunkt? Wenn jemand den letzten Schluck nimmt? Ich konnte über nichts anderes mehr nachdenken – und war prompt zu spät. Runde zwei ging an Freundin 2.

Merke: Frage, ob jemand noch etwas trinken möchte, b e v o r die anderen den letzten Schluck nehmen.

Immerhin war klar, dass ich die dritte Runde zahlte und ich hätte mein zweites Glas endlich genießen können. Ja, wenn ich nicht darüber hätte nachdenken müssen, welches dritte nicht-alkoholische Getränk ich innerhalb von zwei Stunden zu mir nehmen sollte.

Die Kohlensäure gärte jetzt schon mächtig. Und wann hatte ich mich das letzte Mal durch die Menge zu einem Tresen vorgekämpft, um unter prüfenden Blicken meine Bestellung über die Musik zu brüllen? Nicht zu zaghaft und nicht zu forsch, denn Vordrängeln wird von englischen Pub-Besuchern nicht geduldet.

Letztlich habe ich auch diese Klippe halbwegs umschifft und stolz mein drittes Bitter Lemon zum Tisch zurückgetragen. Nur ein Gedanke machte mir noch Kopfzerbrechen: Gilt das Rundenbezahlen auch am Nachmittag beim Kaffeeholen im Café Nero?

Meine Verunsicherung bin ich den ganzen Abend nicht mehr losgeworden, und während ich insgeheim die Getränke-Frage drehte und wendete, habe ich mein Bestes gegeben, mich am Weibertratsch zu beteiligen. Und kein Kind hat uns unterbrochen! Wow! Allerdings hatte ich ohne diese Ablenkungen auch weniger Zeit, mir das nächste Wort zu überlegen. Alles hat eben seine Vorteile.

Immerhin hat der Abend seinen Zweck erfüllt, denn irgendwann hab ich mich tatsächlich wieder auf meine vier Wände gefreut. Dieses eine Mal würde ich diejenige sein, die erwartet wird. Das Haus würde mir entgegen leuchten und es wäre schon jemand da, wenn ich aufschließe. Heimkommen in der Fremde! Wahrscheinlich war mir die Überdosis Bitter Lemon zu Kopf gestiegen.

Gefühlsduselig und erschöpft von meinem Ausflug in die englische Kneipendiplomatie kam ich zurück nach Naseby, um festzustellen, dass unser Haus komplett im Dunkeln lag. In der Finsternis stocherte ich nach dem Schlüsselloch und fand alle schlafend.

Im Bett grübelte ich zwar nicht mehr über die Getränkefrage, aber darüber wie ich dem Landlord den Vorteil eines Außenlichtschalters vermitteln könnte und meinem übermüdeten Mann erklären würde, dass dies nicht der richtige Abend war, sein Schlafdefizit auszugleichen. 

Der Glückskeks ist ein Auszug aus meinem ebook: Von Babys und Briten – Anekdoten einer Expat-Mama.

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Von Babys und Briten -Anekdoten einer Expat-Mama - www.expatmamas/blog/ #imauslandzuhause

Autor

Jonna Struwe, freiberufliche Autorin, Bloggerin und Gründerin von Expatmamas.de, dem Portal für Familien im Ausland

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