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Frisch gelesen: Mama allein in New York

Frisch gelesen: Mama allein in New York - www.expatmamas.de/blog #expatmamas #buchtipp

Wisst ihr, was mir bei den Expatmamas seit dem ersten Tag am Meisten Spaß macht? Geschichten! Persönlich, in Mails, in Interviews oder auf Blogs erzählt und manchmal sogar in Büchern wie das in diesem Jahr erschienene „Mama allein in New York“ von Rena Blessing.

Expat-Leben auf Roosevelt Island

Mit Mann, Baby und fünf Koffern steht Rena eines Tages im November auf einer Insel im East River: Roosevelt Island

Eher „versehentlich“, wie sie selbst meint, denn New York „passte nicht zu [unseren] bisherigen Reisegewohnheiten, [zu meinem] holprigen Englisch, und auch nicht zu [meiner] guten Stelle als verbeamteter Lehrerin in Baden-Württemberg. [Wir] und New York City, das war eigentlich ein Witz.“ Aber diesen Witz erzählt Rena unglaublich gut: pointiert, lakonisch, selbstironisch. 

Mit ihrer feinen Beobachtungsgabe hat sie einen instinktiven Blick für das Skurrile im (amerikanischen) Alltag – egal ob beim Einkaufen, Mutter-Kind-Turnen oder später in ihrem Job als Teilzeit-Nanny. Ihre Erlebnisse aus drei Jahren kondensiert Rena in 104 Alltagsgeschichten, die mich immer wieder zum Laut-Lachen brachten (auch wenn ihr selbst sicher nicht immer nach Lachen zumute war). 

104 Dinge, die Mama in New York lernte

Doch zum Einstieg nimmt uns Rena erst einmal mit auf einen Spaziergang über „ihre“ Insel vor Manhattan, die man entweder von dort mit einer Gondel erreicht oder über eine Brücke aus Queens.

„Vielleicht begegnen Sie dem unermüdlichen Senior Jim, der […] einen ausrangierten Einkaufswagen schiebt, in dem er Gitarre, einen Beutel voller Plastikbälle […] und eine Tüte Xylophone […] Richtung Gemeinderaum bugsiert. […] Auf der Subway Plaza weht ein frisches Lüftchen über die Wiese mit ein paar wenigen Bäumchen, unter denen im Frühling Japaner sitzen. [Und] auf der Höhe des kleinen Swimmingpools […] treffen Sie Ms Bee und Ms Geraldine von der Daycare schnatternd auf dem Heimweg.“

Mama allein in New York, S. 5ff.

Rena gelingt es, auf wenigen Seiten ein Stimmungsbild ihrer neuen Heimat, den Menschen und Straßen zu zeichnen. Beim Lesen fühlte ich mich gleich vertraut mit der kleinen Inselgemeinschaft (auf Roosevelt Island leben knapp 10.000 Menschen), fast wie in einem Dorf, in dem man die schrägen Vögel kennt (Mr. Goldschuh) und die Gewohnheiten der anderen (etwa den Japaner, der immer die gleichen Runden um die Insel läuft).

Rena lernt, wie New Yorker zu leben – im One-Bedroom, wo das Klo zum nächtlichen Arbeitszimmer mutiert und die Spülmaschine zum Vorratsschrank.

Sie lernt, wie New Yorker einzukaufen – indem sie mit Koffer und U-Bahn zum Aldi nach Queens fährt.

Sie lernt, wie New Yorker zu arbeiten – am Wochenende und abends, damit der Mann aufs Kind aufpassen kann.

Und sie erlebt, was es heißt Expat-Mama zu werden: fast alleinige Rund-um-die-Uhr-Betreuung für den Nachwuchs, weitab eines sozialen Netzwerks, radebrechend beim Kinderarzt und fremdelnd gegenüber mancher landestypischer Kinderbelustigung, mit Mütter-Freundschaften auf Zeit, einem Leben mit Abschieden, kaum, dass man sich gefunden hat.

Es ist eine Kunst, diese Höhen und Tiefen des Lebens im Ausland mit solcher Leichtigkeit zu erzählen und für den Leser zu einem Spaziergang durch die Stadt und das Leben zu machen. Leicht und dabei zwischen den Zeilen immer tiefgründig.

Heimweh und Fernweh und trotzdem lachen

Rückblickend, aus Berlin, schreibt Rena in ihrem Nachwort: 

„Wenn Frau Life Science [jetzt] zur Post geht, trifft sie niemanden mehr in Schlafanzughosen. Bei Regen knotet sich keiner eine Duschhaube aus einer Einkaufstüte. Niemanden sieht man mit aufgedrehten Lockenwicklern auf einem Stadtteilfest.“

Mama allein in New York, S. 267

Was man sich vertraut gemacht hat, wird unweigerlich eines Tages fehlen. 

„Geblieben ist eine stille, aber beständige Sehnsucht.“

Mama allein in New York, S. 268

Einer der wenigen Momente im Buch, der so nachdenklich klingt.

Als frisch zurück Gekehrte spricht mir ihr Abschlussgedanke aus dem Herzen. Es bleibt immer eine Sehnsucht, trotz und wegen allem. 

Fazit: Auch wenn du selbst am entgegengesetzten Ende der Welt zu Hause sein solltest, wirst du viel vom Alltag in der Fremde wiedererkennen und mit Rena über das ein oder andere Missgeschick hinweglachen können. Bei ihr wird nichts beschönigt, nie gejammert. Mit schonungsloser Ehrlichkeit und viel trockenem Humor erzählt Rena von ihrem Expat-Mama-Leben mit all seinen kulturellen Tücken, sozialen Besonderheiten und familiären Herausforderungen. 

Mama allein in New York #expatmamas #buchtipp

Rena Blessing
Mama allein in New York*
Books on Demand (BoD) 2020
276 Seiten
ISBN: 978-3751915212
12,99 EUR

Auch als ebook erhältlich.

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