Expat-Leben

„Papa ist mein liebster Besuch“

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Zugegeben, der Satz ist nicht ganz frisch: Dieses Fazit zog meine damals Dreijährige, als der Papa schon wieder in Deutschland arbeitete, der Rest der Familie aber mangels Wohnung noch fast ein halbes Jahr in England blieb. Wir hatten zu der Zeit etliche Besucher, aber die Wochenenden mit Papa-Besuchen waren ihr die liebsten. Jetzt, zehn Jahre später, bei der nächsten Expat-Trennungszeit gilt das noch genauso. Nur sagst sie es natürlich anders.

Vieles ist anders im Vergleich zu damals. Und vieles davon macht es leichter.

Damals war die Trennung nicht gewollt, sondern vom deutschen Wohnungsmarkt Woche für Woche verlängert. Dieses Mal haben wir bewusst gesagt: wenn es einen gemeinsamen Umzug geben sollte, dann erst am Ende des Schuljahres. Mit festgesetzten Zeiträumen kann ich mich einrichten, das Verschieben, Vertrösten, Vertagen Woche um Woche, Monat um Monat, das hat mich mürbe gemacht. Und natürlich: die Kinder können inzwischen mit Zeit umgehen wie Erwachsene. Sie wissen, was es heißt: in zwei Wochen kommt der Papa wieder. Zeiträume sind für sie überschaubar, planbar. Damals haben wir uns noch behelfen müssen à la: „Noch dreimal schlafen“. Worauf das Kind prompt fragte: „Kann ich jetzt schlafen?“ – Seufz. „Nein, nur der Gute-Nacht-Schlaf zählt.“

Damals war auch Facetime noch nicht erfunden – und wahrscheinlich hätte es auch nicht viel gebracht für die Trennungswochen. Damals zählte noch raufen und Autos zusammen über den Teppich schieben und Duplo bauen und zusammen zur AA-Kuh gehen (so hieß die Kuh, nachdem sie beim ersten Besuch gleich vor unseren Augen einen Kuhfladen hat fallen lassen). Heute dagegen zählt: reden und nochmal reden und Witze erzählen und das Känguru aus den Känguru-Chroniken zitieren und davon berichten, was die Hasen Süßes gemacht haben. Und auch die neuen verrückten Socken kann man wunderbar auf Facetime zeigen oder das Plakat für die Fridaysforfuture-Demo. Nur die Zeitverschiebung stört. Und Basketballspielen und Schwimmen geht auch nur analog.

Damals hatten allerdings die Eltern auch noch die Abende für sich, wenn Besuchswochenende war. Jetzt wollen die Kinder zusammen mit ihnen einen Film schauen oder um halb zehn abends noch im Bett kuscheln. Da bleibt nur früh aufstehen, um zu zweit einen Kaffee zu trinken. Oder sehr, sehr spät abends noch eine Folge Downton Abbey schauen. Zu zweit ins Restaurant oder Kino? Da rufen gleich zwei weitere: „Au ja!!“ Da müssten wir schon in die Oper gehen, um die beiden abzuschütteln. Aber wer will das schon, wenn man sich nur alle paar Wochen sieht?

Natürlich hilft es mir heute in den Solo-Wochen ungemein, dass sich die Kinder alleine duschen und anziehen und Zähne putzen, dass sie mit der U-Bahn zum Sport fahren und theoretisch auch ihre Schultaschen rechtzeitig packen. Statt x-mal am Tag Kinderpopos zu wischen, ist jetzt meine Zeit mit anderer Arbeit gefüllt, doch damals wie heute würde ich mir manchmal wünschen, dass ich die Treppe runterlaufe und unten wäre der Kühlschrank voll und das Essen gekocht und die Küche schon aufgeräumt. Alle paar Wochen am Wochenende habe ich das seltene Glück. Ja, wenn ich’s mir recht überlege: Ich glaube, Papa ist auch mein liebster Besuch. ;-)

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