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Mit Kindern ins Ausland

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Die Kinder gut durch die Zeit im Ausland begleiten, das wollen wir alle. Die Herausforderung ist, ihre Bedürfnisse richtig zu verstehen und entsprechend damit umzugehen. Das kann verunsichern und deshalb möchte euch meine Gastautorin Isabelle von Abendroth heute erzählen, was ihr im Umgang mit ihren drei Kindern während ihrer Zeit in den USA geholfen hat. Isabelle ist Erziehungsberaterin und ich freue mich immer, wenn wir teilhaben können an der Symbiose von Auslands- und Berufserfahrung. Denn Expatmamas sind nicht nur einfach Mamas im Ausland. Sie sind auch Expertinnen in den verschiedensten Professionen. Und wenn du selbst dein Wissen hier einmal teilen möchtest als Expatmamas-Expertin, dann schreib mir an info@expatmamas.de.

Mit Kindern ins Ausland und wieder zurück: Dieses Wissen hat mir als Mutter geholfen

Ein Gastbeitrag von Isabelle von Abendroth 

Ich erinnere mich noch genau an all die Reaktionen von anderen, als wir uns dazu entschieden haben, mit unserer Familie (Kinder 2, 4 und 6 Jahre alt) in die USA zu gehen: „Wow, das wird überhaupt nicht leicht für euch und die Kinder.“ „Du musst aufpassen, dass sie sich nicht entwurzelt fühlen.“ Oder „Ach, Kinder sind total flexibel, das wird easy, bleib einfach ganz locker!“ In einer turbulenten Phase waren diese Reaktionen nicht unbedingt hilfreich. Die Sätze, die mich vorwarnen sollten, haben meine Unsicherheit noch verstärkt und die, die mich beruhigen sollten, haben den Druck erhöht, entspannt zu sein. Wahrscheinlich hätte es mir am meisten geholfen, wenn man mich einfach gefragt hätte, wie es mir dabei geht. Und als wir dann drei Jahre später wieder nach Deutschland kamen, waren die Kommentare wieder genau die gleichen. Daher möchte ich euch sagen, dass jede auch noch so gut gemeinte Bemerkung immer die Meinung der anderen ist und auch so verstanden werden sollte. Dies zu erkennen, klingt einfacher als es in dem Moment ist. Aber es hilft, sich von den Ratschlägen der anderen loszulösen.

Eine meiner größten Erkenntnisse in Bezug auf die Auslandszeit mit Kindern war, dass es wichtig ist, jedes Kind immer wieder individuell zu betrachten und nicht zu sagen, Kinder passen sich generell total schnell an.

Klar gibt es Kinder, die sich schneller in neue Umgebungen einfügen als andere. Aber jedes ist anders und je enger wir als Eltern mit jedem einzelnen in Kontakt bleiben, desto besser können wir sie begleiten und erkennen, wenn sie Sorgen haben. Wenn wir unser Kind beobachten, es ernst nehmen und ihm Zeit schenken, kann es sich uns öffnen.Je besser wir es „lesen“ können, desto besser ist unser Verständnis und desto enger ist unsere Beziehung zu ihm.

Ich hatte in den USA die Chance, einen Workshop zu besuchen, der auf dem Bestseller „So sag ich’s meinem Kind“ der international anerkannten Erziehungsexpertinnen Adele Faber und Elaine Mazlish aufgebaut ist. Dieser Kurs hat mir sehr viele AHA-Momente für unsere Familie geschenkt, die mir geholfen haben, mich und die Kinder besser im Blick zu haben. Ich war von dem Konzept und den Methoden so begeistert, dass ich mich anschließend im Bereich der Eltern-Kind-Kommunikation selbständig gemacht habe und heute viele Eltern berate und begleite. Hier möchte ich einige Erkenntnisse mit euch teilen, die ich während eines Auslandsaufenthalts mit Kindern sehr hilfreich finde.

Kinder sind Meister im Zeigen ihrer Gefühle

Wenn Kinder sich unwohl fühlen und das kann nach einem Umzug oft vorkommen, zeigen sie uns dies meist ziemlich deutlich. Selten werden sie ihre Sorgen, Ängste oder Wut durch ruhige Worte hervorbringen. Sie zeigen dies eher durch Konfrontation, Rebellion oder schlechte Laune. Auch wenn es schwer fällt, aber sieh es als Ehre an, dass dein Kind dir vertraut, indem es dir so zeigt, wie sie sich fühlt. Es will dir damit nämlich etwas Wichtiges mitteilen. Es muss noch lernen, dies in Worte zu fassen und dabei beherrscht und bedacht zu reagieren. Wenn es sich also querstellt, gehe lieber einen Schritt auf dein Kind zu und schenke ihm einen Moment Deiner Zeit und Aufmerksamkeit anstatt es abzuweisen. Dann fühlt es sich angenommen und verstanden und hat nicht das Gefühl, dass auch noch seine vertraute Basis wegbricht. Es gibt aber auch Kinder, die sich gar nicht öffnen und wir kaum Einblick in ihre Gefühlswelt erhalten. Diesen Kindern hilft es ebenfalls zu wissen, dass sie zu Hause gesehen werden. Hier könnte ein: „Ich sehe, dass Du Dich gerade nicht wohl fühlst. Wenn Du darüber sprechen möchtest, bin ich für Dich da“ helfen, dass diese Kinder sich melden, wenn sie es wünschen.

Das Geheimnis ist, nichts von dem, was die Kinder uns gegenüber äußern und machen, persönlich zu nehmen.

Die Kinder egal welchen Alters agieren hier ausschließlich für sich und wir können ihnen nur helfen, wenn wir dies nicht auf uns beziehen und uns verletzt fühlen. Das ist überhaupt nicht leicht, hilft aber ungemein. Erst in einem Moment der Ruhe, eventuell am Abend vor dem Schlafengehen, könnt ihr die Kinder nochmal ansprechen. Ein Streit zu Hause ist meist gar nicht der ursprüngliche Grund für ihr unausgeglichenes Benehmen. Bei uns waren es meistens Erlebnisse aus dem Kindergarten oder der Schule, die sie so zu Hause verarbeitet haben. Die wahre Ursache kann dann in einem davon losgelösten Moment in vertrauter Zweisamkeit rauskommen und sich lösen. Diese Verbundenheit kräftigt sie in solchen Augenblicken sehr.

Kinder sind da zu Hause, wo ihre Familie ist

Ihre engste Familie gibt Kindern Sicherheit und Geborgenheit, was einer der wichtigsten Grundbausteine für ihr Urvertrauen ist. Sie wollen einer Gemeinschaft angehören und wenn die äußere Gemeinschaft durch einen Umzug wegfällt, haben sie weiterhin die sehr vertraute und liebevolle innere Gemeinschaft ihrer Familie. Dies zu wissen, hat mich damals sehr beruhigt und so konnte ich mit gutem Gefühl starten, da wir als Kernfamilie zusammen waren. Wenn Kinder besonders unter Trennung, z.B. der besten Freundin, der Großeltern etc., leiden, nehmt dies ernst und schaut, wie ihr vielleicht den Kontakt gut halten könnt, damit das Kind spürt, dass auf seine Bedürfnisse eingegangen wird.

Kinder lernen durch Nachahmung

Ein Rat einer Freundin an mich war damals „DU musst jetzt stark sein, damit ihr das schafft.“ Klar, da ist was dran, aber trotzdem kann ich diesen Satz nicht voll unterschreiben. Aus meiner Erfahrung haben Kinder ganz feine Antennen und spüren, wenn wir uns als Eltern fröhlich geben, es aber nicht sind. Und das ist etwas, was sie total verwirrt. Das heißt nicht, dass du jetzt dauerhaft schlecht drauf sein darfst, nur weil dir danach ist. Ich meine, dass es wichtig ist, dass Kinder sehen, wie wir damit umgehen. Wir müssen nicht Supermütter spielen, sondern dürfen auch mal drüber sprechen, was für uns gerade doof ist und vor allem was wir dagegen tun. Dies ist eine Einladung an die Kinder, ihre Probleme eigenständig anzupacken. Themen gibt es hier sicher genug während eines Umzugs und danach. Wir müssen ihnen keine heile Welt vorspielen, sondern sie an die Hand nehmen, auch schwierige Situationen selber zu bewerkstelligen. Dazu gehört auch, dass sie selber Hürden nehmen müssen, auch wenn sie dabei mal auf die Nase fallen. Je mehr wir auch über unsere Erfolge und vor allem Misserfolge sprechen, desto nahbarer sind wir für unsere Kinder.

Kinder sind von Natur aus neugierig

Zum Abschluss möchte ich euren Blick noch auf etwas Schönes richten:

Lasst euch von der Neugier eurer Kinder anstecken.

Sie gehen noch viel offener in die Welt als wir. Unser verkopftes Denken ist bei ihnen noch gar nicht vollends ausgereift, daher empfinden sie alles viel intensiver. Das kann unglaublich anstrengend sein, wenn sie vor Freude laut schreien oder vor Wut ausrasten. Es ist aber eine Eigenschaft, die wir als Erwachsene verlernt haben. Mit Kindern in ein neues Land zu gehen und auch wieder zurück ist ein Geschenk, ihnen und ihrer Sicht auf die neue Situation zu folgen. Ihr Blick für die kleinsten Details lässt uns das neue Land und die Menschen immer wieder aus anderen Perspektiven betrachten. Bleibt also offen für all die Anregungen eurer Kinder und interessiert euch für ihre Sicht. Dies ist besonders bei der Rückkehr in die alte Heimat sehr spannend, die uns schon so vertraut scheint.

Mit unseren Kindern während eines Auslandsaufenthalts weiterhin eng verbunden zu sein, ist für uns Eltern so wichtig. Ich kann euch nur sehr ans Herz legen, euch immer wieder selbst zu reflektieren und zu schauen, was ihr machen oder ändern könnt, um diese enge Beziehung stets zu herzustellen und zu halten. Der eingangs erwähnte Workshop wird weltweit in 30 Ländern mit Schwerpunkt in den USA angeboten und war damals so hilfreich für mich und meine Familie. Es ist ein Konzept von Müttern für Mütter und daher so alltagstauglich und anwendbar. Vielleicht gibt es den Kurs „How to talk so kids will listen und listen, so kids will talk“ von Faber/Mazlish auch in eurer Nähe oder ihr schaut mal in das passende Buch (auf Deutsch: So sag ich’s meinem Kind). Ich habe die Autorin Adele Faber und ihre Tochter und ebenfalls Workshopleiterin Joanna Faber in den USA persönlich kennengelernt und sie haben mich aufgrund meiner Begeisterung begleitet, ihren Ansatz anderen Eltern näher zu bringen. 

Ich weiß, wie schwierig einige Phasen mit Kindern nicht nur im Ausland sein können, habe aber auch die Chancen erleben dürfen, wie viel Positives sich daraus für eine Familie ergeben kann. Wenn es bei dir mal hakt und du Sorgen oder Fragen hast, bin ich jederzeit bereit, dich auch online über Skype/Zoom oder telefonisch zu unterstützen. Ich wünsche euch allen eine tolle Zeit da, wo ihr gerade seid.

Portrait Isabelle von Abendroth - www.expatmamas.de/expatmamas-blog/ #imauslandzuhause #expatmamas #mitkindernimausland

Isabelle von Abendroth arbeitet als systemischer Elterncoach und Erziehungsberaterin und bietet den Elternkurs von Faber/Mazlish in Neustadt an der Weinstraße und bald auch online auf Deutsch an. Weitere Infos findest Du auf ihrer Website oder schreibe ihr an kontakt@isabelle-von-abendroth.de

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