Expatmamas Tea & Talk – China Spezial

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Vor Ostern gab es eine Expatmamas-Premiere: bei unserem Tea & Talk- Netzwerktreffen hatten wir erstmals einen offiziellen Gast! Ning Huang von DAO Chinese-German Education sprach mit uns über kulturelle Eigenheiten in China und beantwortete Fragen zum Alltag in Fernost. Für alle, die nicht dabei sein konnten, haben Ning und ich im Gespräch noch einmal ein paar Aspekte heute hier auf dem Blog zusammengefasst und wir freuen uns, wenn ihr weitere Fragen in den Kommentaren stellen möchtet. Gerne könnt ihr auch Ning persönlich schreiben an kontakt@dao-education.de. Ich freue mich sehr, eine so kompetente Partnerin für euch gewonnen zu haben und bestärkt durch den gelungenen Auftakt werde ich in Zukunft sicher immer wieder einmal ein Tea & Talk-Spezial anbieten. Themen- und Referenten-Wünsche nehme ich gerne entgegen. Aber nun erst einmal zurück zu China.

Was Expatmamas über China wissen sollten

e/m: Liebe Ning, wie sehen eigentlich Chinesen uns Deutsche bzw. Deutschland? Ich nehme an, das hat durchaus Einfluss darauf, wie man deutschen Expats im Land begegnet, oder?

NH: Absolut. Und die gute Nachricht ist, dass das Bild von Deutschland und den Deutschen in China sehr positiv ist. Deutschland ist das zweitbeliebteste Reiseland für uns in Europa. Wenn man Chinesen befragt, was sie an Deutschland schätzen, ist das die starke Wirtschaft, die Automobilindustrie, das Technologie-Know-how und die Produktqualität.

e/m: Produktqualität ist ein wichtiges Stichwort, denn viele Expats sind unsicher, was man in China gut kaufen kann und was man besser mitbringen sollte.

NH: Mittlerweile kann man sicher fast jedes europäische Produkt auch in China kaufen, natürlich zu einem entsprechenden Preis. Als Anhaltspunkt kann vielleicht dienen, was Chinesen in Deutschland gerne kaufen: Kosmetik! Sie vertrauen der Qualität, dass im Produkt nur drin ist, was drin sein darf, und das Preis-Leistungsverhältnis ist unschlagbar. DM ist auch bei Chinesen auf Deutschlandbesuch eine beliebte Anlaufstelle. 

e/m: Wer ins Ausland geht, möchte ja auch mit den Einheimischen in Kontakt kommen. Abgesehen von der Sprachbarriere in China, wie leicht ist es, sich mit Chinesen anzufreunden?

NH: Es ist nicht so schwierig, in China mit jemanden Freundschaft zu schließen, Chinesen sind sehr gastfreundlich. Aber durch bereits bestehende Freundschaften ist der Kontakt noch einfacher, schneller und tiefer. Eine Freundin stellt mir eine Freundin vor und dann kann auch ich mit ihr befreundet sein. Das macht es für Außenstehende schwer z.B. in großen Städten einfach mit der Nachbarin Freundschaft zu schließen. Einfacher wäre es, durch einen gemeinsamen Bekannten vorgestellt zu werden. Dafür kommen Chinesen zu Verabredungen nicht immer allein; es kann durchaus vorkommen, dass sie noch mehrere Freunde mitbringen. Man sollte auch wissen, dass man Verabredungen gerne spontan trifft – und genauso spontan wieder absagt.

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Außerdem hat die Familie in China einen viel höheren Stellenwert als hier. Die Familienstruktur ist noch sehr hierarchisch, in der Tradition stehen die Großeltern an der Spitze, Gehorsamkeit und Respekt der Kinder gegenüber den Eltern wurden immer erwartet. Die Situation hat sich heutzutage zwar verändert, aber der Einfluss der Tradition ist immer noch da. Das spiegelt sich auch in der Sprache. Im Chinesischen gibt es für jede Verwandtschaftsbezeichnung ein eigenes Wort, das die Position in der Familie mitliefert, also z.B. der Onkel väterlicherseits ersten Grades. 

e/m: Das klingt, als müsste man viele Vokabeln lernen. 

NH: Ausländern gegenüber ist man da nicht so streng. Es wird jedem, der sich bemüht, die Sprache zu lernen in der Regel hoch angerechnet. Das Beispiel mit der Familie zeigt nur, dass Sprache nicht nur der Verständigung dient, sondern auch kulturelle Eigenheiten ausdrückt. Das neutrale „Onkel“ gibt es eben nicht, sondern nur ein Wort mit sozialer Konnotation.

e/m: Kulturelle Eigenheiten werden uns Europäern ja Viele begegnen. Ein der ersten Erfahrungen, die viele Familie machen, ist, dass die Kinder für unser Empfinden hemmungslos fotografiert und auch angefasst werden. Wie geht man damit um?

NH: Wenn sich die Kinder belästigt fühlen, würde ich ihnen raten, das auszudrücken durch ihre Körpersprache. Sie können sich spielerisch wehren und auch mal jemanden wegschieben (natürlich nicht treten oder schlagen), der sie anfasst. Wenn die Reaktion von den Kindern selbst kommt, kann der andere sein Gesicht wahren; ein Einschreiten der Eltern wäre sehr konfrontativ. Man darf bei all dem nicht vergessen, dass immer noch nur ein sehr kleiner Teil der chinesischen Bevölkerung Europäer regelmäßig zu Gesicht bekommt. Und blonde Kinder finden Chinesen einfach hinreißend schön.

e/m: Welche drei Tipps würdest du Expatmamas, die nach China gehen, auf den Weg mitgeben wollen?

NH: Erstens Offenheit für Fremdheit; man sollte versuchen, alle fremden Phänomene anzunehmen, ohne zu bewerten. Sobald man Dinge bewertet, läuft man Gefahr, Abneigungen zu entwickeln. Zweitens ist es schön und es lohnt sich, die Sprache zu lernen. Die Sprache ist der Schlüssel zu Menschen und zur Kultur. Drittens, genieß die Zeit mit Kindern und Familie, um viel zu verreisen und das Land kennen zu lernen. Es gibt viele schöne Berge in China zum Wandern. Und im Süden kann man toll Tauchen und Wellenreiten.

e/m: Liebe Ning, herzlichen Dank für das Gespräch und deinen Besuch bei unserem Tea & Talk.

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Schaut auch gerne auf unserem Expatmamas-Länderboard „China“ auf Pinterest vorbei.

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Ning Huang (M.A.; M.A.) bietet seit 2007 Unterricht für chinesische Sprache und interkulturelles Training in verschiedenen Bildungsorganisationen, für Unternehmen und Expats. 2018 gründete sie DAO Chinese-German Education, wo sie Seminare und Training hauptsächlich für Fach- und Führungskräfte in Unternehmen anbietet, aber auch individuelle Sprach- und Kulturtrainings online in Einzel-Coachings. Bei Interesse schreibt ihr an kontakt@dao-education.de
Ning Huang hat bereits zwei Bücher veröffentlicht: „China-Knigge“ (2012) und „Wie Chinesen denken“ (2008), erschienen im Oldenbourg Wissenschaftsverlag.

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