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Expatmamas-Wissen: K – Kulturschock

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Lust auf einen neuen Buchstaben in unserem Expatmamas-Wissen ABC? Dann lasst uns heute über das sprechen, was auf das Wort „Expat“ als Stichwort so sicher folgt wie das Amen in der Kirche: Kulturschock. Der Kulturschock ist nicht zwangsläufig ein Schock, sondern bezeichnet die Anpassungsschwierigkeiten, die jede/r durchlebt. Und ich will euch vor allem sagen, was hilft, damit umzugehen.

Der Umzug ins Ausland – egal wie weit oder wie exotisch – ist eine aufregende Sache. Am Anfang ist meist jede/r euphorisch. Man fühlt sich vielleicht wie im Urlaub, soviel Neues gibt es zu entdecken. Doch dann folgt früher oder später unweigerlich die Ernüchterung. Die Widrigkeiten des Alltags, Sprachbarrieren, Einsamkeit, vielleicht das erste kranke Kind – es gibt unzählige mögliche Auslöser für die erste Anpassungskrise. Die Tränen, das Heimweh, das Ohnmachtsgefühl angesichts der Herausforderungen – alles ganz normal. Man steckt mitten drin im sogenannten Kulturschock. 

Jede Eingewöhnung durchläuft vier Phasen: Euphorie (auch Honeymoon-Phase genannt), Ernüchterung, Erholung und Akzeptanz/Anpassung. Wenn man die kennt und bei sich selbst aufmerksam verfolgt, ist das schon ein großer Schritt, um die Umstellung zu verarbeiten. Unzählige Grafiken veranschaulichen im Internet (beispielsweise bei Wikipedia) das Tal der Tränen. Sie alle zeigen aber auch, dass es auch wieder bergauf geht. Immer. Versprochen.

Was kann helfen, den Kulturschock zu überwinden?

Geduld mit sich selbst zu haben hilft, denn bekanntlich heilt Zeit alle Wunden. Man kann von sich nicht erwarten, dass alles wie am Schnürchen klappt. Also keine Selbstzweifel, weil man gerade verzweifelt.

Aufhören zu vergleichen, hilft auch. Ja, in Deutschland ist vieles anders, aber nicht alles besser. Vielleicht versucht ihr es mit der Feststellung: Das ist daheim anders. Punkt. Mehr nicht. Wie sagt man im Englischen so schön: „We agree to differ.“

Meine Tochter und ich haben uns ein Spiel ausgedacht. Es gab Tage, da fanden wir in Bratislava alles doof. Wir haben uns also aufgezählt, was uns alles stört und was in Deutschland alles besser ist. Der Clou: anschließend haben wir eine Liste erstellt, was in Bratislava gut oder sogar besser ist als in Deutschland. Die zweite Liste soll aber mindestens um drei Punkte länger sein. Was tatsächlich geklappt hat. So konnten wir unseren Frust wunderbar herauslassen, um danach wieder auf das Positive zu schauen. (Nina, Bratislava)

Die Sprache zu lernen, hilft immer. Ist aber vielleicht nicht immer einfach. Dann kann man eventuell darauf ausweichen, das Englisch aufzupolieren – als Verkehrssprache, zum Brückenbauen.

Im Gastland einen Wochenendausflug oder eine kleine Reise unternehmen, kann ebenso helfen. Man holt sich ein bisschen von der Anfangseuphorie zurück, wenn man Neues sieht, und man hat zum ersten Mal das Gefühl von „nach Hause kommen“, wenn man die Tür wieder aufschließt.

Sich auszutauschen, ist meiner Meinung nach aber das A und O. Sätze zu lesen oder zu hören wie „Das kenne ich auch“, „Das ging mir genauso“ oder „Das verstehe ich“, kann so guttun. Deswegen gibt es die Expatmamas-Seite, unsere Tea&Talk-Events und vor allem die Expatmamas-Facebook-Gruppe. Hier trefft ihr Frauen mit ähnlichen Erfahrungen, die euch auffangen und trösten können. Aber auch vor Ort gibt es oft (deutsche) Expat-Gruppen und auch wenn man sich vorgenommen hatte, vor allem mit Einheimischen und nicht so sehr mit anderen Landsleuten Kontakt zu knüpfen, können solche Begegnungen gewinnbringend sein. Also keine falschen Berührungsängste: Expat-Gruppen sind keine Jammervereine für ewig Heimatverbundene sondern tolle Kontaktbörsen.

Was ihr als Familie nicht vergessen solltet

Wichtig für Familien ist es, im Auge zu behalten, dass die eingangs erwähnten vier Phasen des Einlebens nicht bei allen Familienmitgliedern zur gleichen Zeit und in der gleichen Intensität ablaufen – auch nicht, wenn alle zur selben Zeit umziehen und erst recht nicht, wenn der Papa schon ein paar Monate vor den anderen im Land lebt. Jeder Mensch ist anders und wird anders auf die Umstellungen reagieren und jedes Familienmitglied hat mit anderen Herausforderungen umzugehen. Vielleicht findet z.B. das eine Kind schnell Anschluss, während das andere die beste Freundin noch wochenlang furchtbar vermisst. Es gibt so viele Parameter, die eine Rolle spielen und auf die man keinen Einfluss hat, dass ihr davon ausgehen solltet, dass in der Familie nicht jeder zu jeder Zeit gleich euphorisch oder niedergeschlagen ist. 

Das Gute daran? So könnt ihr einander besser trösten und das heißt vor allem: zuhören (und nicht z.B. den Partner abbügeln mit Kommentaren à la: Also, find ich ja gar nicht, dass die hier alle … sind).

Um mit Kindern über ihre Gefühle zu sprechen, könnt ihr z.B. die „Kulturschock-Kurve“ mit einem Springseil auf dem Boden darstellen. So können sie zeigen, ob sie sich gerade im tiefen Tal fühlen, und gleichzeitig sehen sie, dass es aus dem Tal auch wieder nach oben gehen wird. 

Einen weiteren tollen Tipp bekam ich kürzlich von einer Expatmama: Sie nutzt die Handreflexion (wie z.B. hier beschrieben). Anhand der fünf Finger spricht sie mit ihren Kindern am Abend über den Tag: Was war gut (Daumen), was hab ich gelernt (Zeigefinger), was war doof (Mittelfinger/Stinkefinger), wie habe ich mich gefühlt (Ringfinger) und was kam zu kurz bzw. hat mir gefehlt (kleiner Finger). Vielleicht ist das auch etwas für euch? Und gerne sammle ich hier weitere Tipps – eure Kommentare sind wie immer willkommen!

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