Wie lebt es sich eigentlich in Rumänien?

Wie lebt es sich eigentlich in Rumänien - www.expatmamas.de/expatmamas-blog/ - #expatleben #rumänien #expatmamasEs gibt Länder – ich gebe es ungern zu – die auf meiner inneren Landkarte so gut wie nicht vorkommen. Rumänien zum Beispiel. Mein einziger Berührungspunkt mit Rumänien war bislang Theo, unser DHL-Bote, der sich einst bei mir mit Handkuss dafür bedankte, als wir ihm spontan Plätzchen frisch aus dem Ofen schenkten. (Einen Weihnachtsbonus gabs natürlich auch jedes Jahr). Aber Rumänien als Expat-Land? Das kam mir nicht in den Sinn, aber natürlich gibt es das auch. Und dank unserer Expatchallenge auf Instagram im Mai habe ich Karolina kennengelernt und sie erzählt heute, wie es sich so lebt hinter den Karpaten. 

Unsere Zeit in Rumänien – Expatleben in Bukarest mit meinem Mann und meinen drei Jungs

Ein Gastbeitrag von Karolina Grittner

“WAS? Nach Rumänien? Echt? Müsst ihr da hin???” So oder so ähnlich war oft die Reaktion, als wir unserem Umfeld erzählten, dass wir ins Ausland gehen. Und nicht in die USA oder Asien, sondern nach Rumänien. Genauer gesagt nach Bukarest, in die Hauptstadt dieses wunderschönen und doch mit so vielen Vorurteilen belegten Landes. Nun sind wir schon seit zwei Jahren hier und ich werde oft gefragt, wie ist es so, hier in Rumänien zu leben?

Es ist toll! Ich wollte schon immer mal im Ausland leben und als mein Mann dann die Möglichkeit bekam von seiner Firma aus nach Bukarest zu gehen, war ich sofort dafür. Auch wenn mir genau zwei Monate für die Planung und den Umzug blieben – aber kurzfristig und spontan, das kann ich. Mein Mann kannte Bukarest schon durch viele Dienstreisen und auch die Kinder waren sofort mit Neugier dabei – was es für die Jungs bedeutete, konnten sie natürlich nicht absehen, doch ihre Offenheit und Bereitschaft mitzugehen, rührte mich sehr, zeigte es doch, was für ein Vertrauen sie in uns Eltern hatten. Hauptsache wir sind zusammen – das war das Wichtigste. Da der Vertrag meines Mannes für ein Jahr ausgelegt war, beschlossen wir unser Haus in Deutschland nicht zu vermieten und keine Möbel mitzunehmen. Wir fanden eine möblierte Wohnung fußläufig zur deutschen Schule und zum Büro meines Mannes und entschieden uns gegen ein Haus am Stadtrand in einem der Expat-Compounds – was das für eine Erleichterung des Alltages mit sich brachte (bei dem irren Verkehr hier in Bukarest) war uns zu diesem Zeitpunkt gar nicht wirklich bewusst. Aber wir sind so froh über diese Entscheidung.

Schule und Sprache

Die Kinder gehen hier zur deutschen Schule bzw. Kindergarten. Es ist eine sehr kleine Schule, sehr familiär mit kleinen Klassen. Sie fühlen sich inzwischen sehr wohl. Rückblickend muss ich sagen, die Eingewöhnung in der neuen Umgebung und in der Schule lief wirklich ziemlich glimpflich ab und hätte viel schlimmer kommen können. Ich bin so unglaublich stolz auf meine Jungs, wie sie diese Situation gemeistert haben. Ich selber hatte ziemlich schnell Anschluss. Viele Kontakte laufen natürlich über die Schule – und da in diese deutsche Schule auch sehr viele rumänische Kinder gehen, habe ich inzwischen Kontakt sowohl zu anderen Expats als auch zu Einheimischen. Das finde ich großartig! Eine sehr gute Freundin habe ich in meiner Nachbarin gefunden. Wir haben uns hier bei uns im Apartment-Komplex am Pool kennen gelernt. Sie ist Rumänin, spricht aber fließend deutsch, da sie mit einem Deutschen verheiratet ist. Sie ist seit vier Jahren in Bukarest, zeigt mir die Stadt, übersetzt, wenn es sein muss, und ich lerne viel Rumänisch von ihr. Diese Sprache hat es nämlich wirklich in sich. Ich denke, alle die das Latinum haben oder schon eine romanische Sprache beherrschen, werden keine großen Schwierigkeiten haben, Rumänisch zu lernen. Ich habe aber weder das eine noch das andere und tue mich sehr schwer. Allerdings ist es in Bukarest selber überhaupt nicht nötig, Rumänisch zu können, denn gefühlt alle sprechen hier ein unglaublich gutes Englisch. Also auch wenn es meinem Rumänisch nicht viel bringt hier zu leben – meinem Englisch tut es sehr, sehr gut. Trotzdem möchte ich die Landessprache lernen – ich finde es ist auch eine Art des Respektes dem Land gegenüber, in dem ich lebe. Inzwischen bin ich in der Lage vieles zu verstehen, sprechen kann ich leider immer noch nicht wirklich gut. Doch egal wo ich es versuche, sei es beim Bäcker oder im Restaurant, meine Bemühungen werden sehr wertgeschätzt und man freut sich darüber, dass ich es wenigstens versuche. Meine Jungs lernen Rumänisch in der Schule – allerdings nur zwei Stunden pro Woche. Doch dank ein paar rumänischer Freunde schnappen sie doch einiges auf.

Mein Alltag hier in Bukarest

Mein Alltag hier ist sehr entspannt, muss ich sagen. In Deutschland leben wir in einem Vorort, sprich: ich sitze dort den Großteil des Tages im Auto. Hier ist vieles, was die Kinder betrifft mit der Schule abgedeckt. Sei es Fußball oder Klavier – das ist schulisch organisiert. Abholen kann ich sie zu Fuß, die Großen können auch alleine nach Hause laufen. Supermärkte hab ich direkt am Haus und mein Sport ist ebenfalls um die Ecke. Hier steht das Auto oft tagelang in der Garage. Die Kinder haben jeden Tag bis 15 Uhr Schule und ich…ich gestalte mir den Tag, bis sie zurück kommen, so wie ich es mag. Das ist purer Luxus für mich. Denn vor unserem Aufenthalt hier war ich eine ziemlich gestresste Working-Mum mit einem Mann der ständig weg war. Hier bin ich entspannt – total. Und das genieße ich jeden Tag. Langweilig wird mir nicht.

Bukarest – die versteckte Schöne

Expatleben in Rumänien - www.expatmamas.de/expatmamas-blog/ - #expatleben #rumänien #expatmamasRumäniens Hauptstadt ist sicherlich nicht die schönste Stadt. Touristisch gesehen hat sie auch nicht wirklich viel zu bieten. Aber sie ist quirlig, lebendig. Die Kunst und Kulturszene ist riesig. Man hat an jeder Ecke tolle Cafés, Restaurants, Bars oder Clubs. Dafür ist diese Stadt auch bekannt. Und da wir sehr gerne gut essen gehen, finden wir die Vielzahl an Restaurants hier wirklich super. Bukarest ist eine Metropole, die sich nicht auf den ersten Blick präsentiert. Sie will tatsächlich erlaufen werden, man muss sie erkunden, sie entdecken. Tut man das, überraschen einen immer wieder neue Ecken. Überall gibt es Gegensätze, die das Stadtbild spannend machen. Alt gegen neu, grau gegen bunt, altmodisch gegen superstylisch, traditionell gegen modern, offen gegen verschlossen, günstig gegen superteuer, schön gegen hässlich. Und sie ist grün. Überall gibt es Bäume und Parks – mit super Spielplätzen! Es gibt wie in jeder Großstadt furchtbare Ecken, in die man besser nicht gehen sollte, doch es gibt auch die vielen tollen Ecken, die es einem leicht machen diese Stadt zu mögen. Ich mag es hier. Bukarest ist eine sehr sichere Stadt (ausgenommen der Verkehr). Ich bekomme alles, was ich brauche und noch mehr. Es gibt von riesigen Malls mit allen bekannten Marken über den schwedischen Möbelhersteller und dem deutschen Lebensmitteldiscounter bis hin zum rumänischen Markt alles, was man kennt oder auch nicht kennt, was man braucht oder aber auch nicht braucht. Man bekommt einen superlangen, heißen Sommer und einen richtigen Winter mit viel Schnee.

Rumänien – eine Reise wert!

Expatleben in Rumänien - www.expatmamas.de/expatmamas-blog/ - #expatleben #rumänien #expatmamasRumänien ist ein unglaublich schönes Land. Die Natur ist atemberaubend, es gibt beeindruckende Städte und man findet inzwischen viele schöne Unterkünfte. Wir nutzen jede freie Minute und reisen durchs Land. Das bedeutet jedoch lange Zeiten im Auto, denn die Infrastruktur ist wirklich schlecht. Im ganzen Land gibt es drei Autobahnabschnitte. Sonst tuckelt man über Landstraßen und regt sich über die abenteuerliche und gefährliche Fahrweise der Rumänen auf. Wenn es etwas gibt, dass sie hier augenscheinlich nicht lernen und können so ist das Autofahren. Sei es in der Stadt selber (der Verkehr in Bukarest ist echt schlimm) aber auch auf dem Land. Das ist auch etwas, was meine Toleranzgrenze ausschöpft. Diese aggressive, unreflektierte Fahrweise ist lebensgefährlich. Hupen statt bremsen ist hier die Devise – selbst wenn Kinder auf der Straße sind. Aber auch sonst ist die rumänische Mentalität in vielen Dingen speziell. Wenn ich merke, dass es mir zu viel wird und ich mich aufrege, dann denke ich an die Geschichte des Landes, in dem ich zur Zeit lebe. Es ist nicht leicht für Rumänien, Jahrzehnte kommunistischer Bevormundung abzuschütteln und das merkt man meiner Meinung nach schon noch. Seit wir in Rumänien leben, ist mir viel mehr bewusst, wie viel Wert in Deutschland schon in der Schule auf selbstständiges Denken und innovatives Arbeiten gelegt wird. Auch die Wertschätzung dem eigenen Land gegenüber ist noch sehr vorsichtig. So ist in Sachen Umweltschutz z.B. noch viel Luft nach oben und viele mutige Investitionen werden entweder von Ausländern getätigt oder von Landsleuten, die schon einige Jahre im Ausland gelebt und gelernt haben. Klar, es ist anders als in Deutschland. Doch das gehört zu einem Auslandsaufenthalt doch dazu, nicht wahr? Das es eben nicht so ist wie zu Hause in Deutschland. Ich nehme die Unterschiede wahr und an, ich akzeptiere es, da ich Gast in diesem Land bin und ich versuche, nicht zu vergleichen. Denn wenn man immerzu vergleicht, mit dem wie man es kennt, versperrt man sich meiner Meinung nach die Möglichkeit in einem fremden Land anzukommen.

Und wir sind angekommen hier in Bukarest. Total. So, dass wir unseren geplanten Aufenthalt von einem Jahr inzwischen zweimal verlängert haben und nun das dritte Jahr beginnt. Das dritte Schuljahr für meine zwei Großen und das erste Schuljahr von meinem Kleinen hat begonnen. Ich bin gespannt auf dieses Jahr – was wir erleben dürfen, wen wir kennen lernen dürfen und auch welche Herausforderungen wir meistern müssen. Denn ich würde lügen, würde ich sagen, es war immer alles leicht. Die Sprachbarriere ist nicht zu unterschätzen – vor allem in Situationen, die es in sich haben wie z.B. Krankenhausaufenthalte. Mein Sohn hat sich zweimal beim Fußball die Hand gebrochen, einmal eine Gehirnerschütterung mit stationärem Aufenthalt gehabt. Das sind Momente, da wünscht man sich nach Hause. Expatleben in Rumänien - www.expatmamas.de/expatmamas-blog/ - #expatleben #rumänien #expatmamas
Aber wir sind alle daran gewachsen, vor allem meine Kinder. Wir sind froh, dass wir diesen Schritt aus unserer Komfortzone gemacht haben. Hätten wir dies nicht getan, so wären wir um viele tolle Momente, Erlebnisse und Freunde ärmer. Wir haben erlebt, wie es ist als Familie noch enger zusammen zu wachsen. Denn in der ersten Zeit hatten wir ja nur uns. Vielleicht haben wir auch einfach Glück gehabt, dass alles so gut gegangen ist, dass es uns Rumänien so leicht gemacht hat? Dass es eben immer noch Europa ist und man zur Not innerhalb eines zweistündigen Fluges zu Hause ist? Bestimmt. Doch ebenso macht die Haltung sicherlich viel aus. Ich konzentriere mich auf das Positive, rege mich nicht über Kleinigkeiten auf, bin dankbar, dass wir hier ein normales Familienleben haben dürfen und mein Mann nicht ständig auf Dienstreisen ist wie in Deutschland. Ich genieße die Zeit, die ich hier dank Sonderurlaub für mich und meine Kinder habe. Es wird sich alles wieder ändern – ich weiß nicht wie und wann, doch bis dahin genieße ich hier jeden Tag.

Ich habe noch meine Kinder gefragt, was sie hier in der Zeit in Rumänien am Schönsten finden:

Mein 12 jähriger Sohn: dass ich neue Freunde kennen gelernt habe, die Schule, das Fußballtraining, den Pool
Mein 10 jähriger Sohn: das Fußballtraining, den Pool, die Schule, die Parks, neue Freunde
Mein 6 jähriger Sohn: mit Papa im Pool spielen, die Parks, meine Freunde, den Pool  und die Schule

Soviel von uns. Vielen Dank fürs Lesen!

Wenn ihr mehr von Karolina aus Rumänien sehen wollt, dann besucht sie doch mal auf Instagram @familie_dracula

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