Expat-Leben

Expat-Leben: Suchen Oma – bieten Ausland

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Weit weg von zu Hause – das heißt auch und gerade am Anfang: leben ohne soziales Netz. Und damit meine ich nicht, dass man niemandem zum Ratschen und Kaffee trinken hat (das hält man eine Weile aus), sondern dass man keine Hilfe hat, wenn man wirklich Hilfe braucht. Keine Freundin, die dir die Kinder mit zum Turnen mitnimmt, wenn du mit grippeschweren Gliedern kaum aufstehen kannst. Keine Nachbarin, die dir Brot vom Bäcker mitbringt, wenn die Kleinkinder fiebernd im Bett liegen und du sie keinen Moment allein lassen magst. Keine Oma, die mittags mal ein Essen kocht, wenn du ganze Vormittage auf einem Amt verbringst, um einen lokalen Führerschein oder einen Telefonanschluss zu bekommen. Keine Schwester, die dir die Großen ein paar Stunden abnimmt, wenn du mit Neugeborenem daheim deine Ruhe brauchst.

Leben ohne soziales Netz

Sicher gibt es auch noch den Ehemann, der dann eben früher aus dem Büro heimkommen muss, um kleinere Krisen abzuwenden. (Und die meisten Expat-Papas lernen schnell – nach einem ersten „Wie stellst du dir das vor – ich hab den ganzen Tag Termine?!“) Und es gibt auch tolle Omas, die eben mal einfliegen, um zwei Wochen den Laden zu schmeißen, während die Expatmama die Lungenentzündung auskuriert oder ein Kind bekommt. Aber manchmal ist es nicht damit getan, ein paar Stunden oder Tage zu überbrücken – manchmal braucht man auch langfristig Unterstützung. Dringend. Jeden Tag.

So ging es Sabine in den USA. Sie wurde schwer krank – eine Situation, die ihr Mann auf Dauer unmöglich alleine kompensieren konnte. Hilfe fand die Familie schließlich bei Granny Aupair, einer deutschen Agentur, die ausschließlich lebenserfahrende Frauen als Leihomas ins Ausland vermittelt. Sabine hat uns von ihren Erfahrungen erzählt.

Unsere Erfahrungen mit einer Leihoma – Interview mit einer Expatmama

e/m: Liebe Sabine, du lebst mit deiner kleinen Tochter und deinem Mann seit einigen Jahren in den USA.

Sabine: Genau! Wir kommen ursprünglich aus Aachen und sind 2010 in die USA gezogen. Nach unserer Hochzeit, zwei Umzügen, einem Hauskauf und der Geburt unserer Tochter Clara leben wir seit 2012 in einem schönen Haus mit Pool in Morris County, New Jersey.

e/m: Wie kam es dazu, dass ihr ein Aupair einstellen wolltet?

Sabine: Im Jahr 2014 hat sich unser Leben von einem Tag auf den anderen geändert; als ich plötzlich und unerwartet mit einem Hirntumor diagnostiziert wurde. Schnell stand fest, dass die Behandlung zeitnah erfolgen musste und sich über mehrere Monate hinweg ziehen würde. Zunächst ist die Familie aus Deutschland nacheinander eingeflogen, und hat sich unsere damals sechs Monate alte Tochter sowie den Haushalt gekümmert. Mein Mann konnte das ja unmöglich neben der Arbeit alles selbst leisten. Als das Schlimmste vorerst nach einigen Monaten überstanden war, haben wir uns die Frage gestellt, ob wir zurück nach Deutschland ziehen sollen, oder ob wir in den USA bleiben können. Eine Freundin hat uns auf Granny-Aupair aufmerksam gemacht. Das war für uns ein Zeichen, es in den USA alleine zu versuchen.

e/m: Warum habt ihr euch für eine Granny Aupair entschieden?

Sabine: Eine Granny Aupair erschien uns unter den oben geschilderten Umständen als perfekte Ergänzung für unsere kleine Familie und Situation, in der wir uns ungewollt wiedergefunden haben. Durch die Unterstützung von einer Granny Aupair bekamen wir nicht nur eine Leih-Oma für Clara, sondern auch Hilfe im Haushalt sowie einen mütterlichen Beistand für mich in der schweren Zeit nach meiner Erkrankung.

e/m: Hattet ihr davor auch schon einmal ein klassisches Aupair?

Sabine: Nein. Nach Claras Geburt haben wir uns über verschiedene Formen der Kinderbetreuung informiert. Für mich stand fest, dass ich innerhalb des ersten Jahres wieder halbtags in meinen alten Beruf zurück wollte. Wir schauten uns Kindertagesstätten an, und interviewten lokale Nannies. Wir informierten uns ebenfalls bei verschiedenen klassischen Aupair-Agenturen; entschieden uns dann aber letztlich für eine Daycare direkt neben meiner Arbeitsstelle. Letztlich haben wir diese aber nur drei Wochen lang in Anspruch genommen, da ich unerwartet ins Krankenhaus musste.

e/m: Worin siehst Du die Unterschiede zwischen klassischen und Granny Aupairs?

Sabine: Obwohl wir kein klassisches Aupair bei uns zuhause hatten, haben wir uns ja aus einem bestimmten Grund dagegen und für eine Daycare bzw. später dann für eine Granny Aupair entschieden. Zum einen aus finanziellen Gründen – die Kosten eines klassischen Aupairs übersteigen bei Weitem die eines Granny Aupairs. Zum anderen wollten wir jemanden mit Erfahrung – nicht nur in der Kindererziehung, sondern auch in Bezug auf den Haushalt. Für uns war es einfach logisch, dass Frauen, die selbst schon Kinder groß gezogen haben, besser wissen, wann und wo mit angepackt werden muss.

e/m: Welche Aufgaben hat eure Granny Aupair?

Sabine: Insgesamt hatten wir vier Granny Aupairs. Ihre Aufgaben bestanden jeweils darin, Clara dreimal in der Woche morgens nach dem Aufwachen fertig zu machen, mit ihr zu frühstücken und dann in die Preschool zu fahren. An den verbleibenden zwei Wochentagen war Clara zuhause. Die Granny Aupairs haben den Tag mit ihr verbracht, wenn ich dazu gesundheitlich nicht in der Lage war, d.h. mit ihr gespielt, gesungen, gelesen, etc. Hoch im Kurs standen auch Spazierengehen und Spielplatzbesuche. Über die Kinderbetreuung hinweg haben die Grannies sich an der Hausarbeit beteiligt. Darunter fielen z.B. das Ausräumen der Spülmaschine, gelegentliches kochen, staubsaugen der Gemeinschaftsräume. Wir haben keiner Granny im Vorfeld eine genaue Liste der Aufgaben gegeben. Das Besondere an den älteren Damen ist ja, dass sie einfach sehen, wo eine helfende Hand gebraucht wird, und dann einfach mit anpacken.

e/m: Habt ihr euch durch die Anwesenheit der Grannies in eurer Privatsphäre eingeschränkt gefühlt?

Sabine: Natürlich muss man sehr offen an eine solche Sache herangehen. Ob die Chemie grundsätzlich stimmt, kann man aber schon im Vorfeld durch viele Skype- oder Facetime-Gespräche herausfinden. Wen es aber beispielsweise stört, wenn die Gläser oder Tupperdosen im Schrank anders sortiert sind, weil die Leih-Omi sie anders einräumt, sollte sich besser keine fremde Person ins Haus holen.
Für uns waren Granny Aupairs immer Familienmitglieder auf Zeit. Tagsüber und an den Wochenenden haben wir ihnen stets angeboten, uns bei Familienausflügen oder Erledigungen zu begleiten. Das wurde meist zu 50% angenommen. Erfahrungsgemäß haben viele Grannies ein Gespür dafür, wann die Familie Zeit für sich braucht. So haben sie sich z.B. alle abends meist in ihr Zimmer zurückgezogen, um zu lesen oder ihren eigenen Interessen nachzugehen.

e/m: Und wie habt ihr in der Zeit andere Besucher untergebracht?

Sabine: Andere Besucher haben wir im Home Office meines Mannes untergebracht. Wir haben glücklicherweise ein sehr großes Haus und es war kein Problem, zusätzliche Gäste aufzunehmen. Nur das Gästebad musste sich die Granny Aupair in der Zeit mit den anderen Besuchern teilen.

e/m: Wie lange waren die Grannies jeweils bei euch?

Sabine: Die Granny Aupairs waren jeweils 2-3 Monate bei uns. Da sie mit dem Touristenvisum einreisen, ist ihr Aufenthalt in den USA auf 90 Tage beschränkt. Es gibt die Möglichkeit, ein B2 Visum zu beantragen. Das ist im Prinzip ein erweitertes Touristenvisum, mit dem man bis zu 180 Tage pro Einreise in den USA verbleiben kann. Generell werden diese Visa für 10 Jahre ausgestellt, d.h. man kann 10 Jahre lang immer wieder für 6 Monate einreisen. Es ist allerdings zu beachten, dass eine hohe Einreisefrequenz mit längeren Aufenthaltszeiten zu unangenehmen Nachfragen und Problemen an der Grenze führen kann. Insbesondere können die Grenzbeamten vermuten, dass man einer illegalen Tätigkeit nachgeht und in den USA arbeitet.

e/m: War es für euch aufwändig, die Granny zu organisieren?

Sabine: Eine Granny zu finden, war sehr einfach. Wir haben unsere Granny-Aupairs alle über die Internetplatform www.Granny-Aupair.com gefunden. Dort gibt man, ähnlich wie bei einer Dating Webseite, sein Profil und ein paar Fotos ein. Die Familie hat zum Beispiel die Möglichkeit, einen typischen Tagesablauf zu beschreiben und kann ihre Ansprüche und Wünsche an eine Granny kundtun. Gleiches gilt für die Granny. Sie gibt an, in welches Land sie gerne wie lange verreisen möchte, wie es mit ihren Fremdsprachenkenntnissen und Kindererfahrung aussieht, etc. Wir haben alle Grannies angeschrieben, deren Profil uns zugesagt hat und dann Skype-Interviews vereinbart. Dabei spürt man sofort, ob es „klickt“ oder nicht. Generell hatten wir immer 2-3 Kandidatinnen, die in die engere Auswahl kamen. Mit denen haben wir dann öfter geskypt und uns anschließend entschieden.
Darüber hinaus gibt es keine „bürokratischen“ Hürden, die es zu meistern gilt. Um das ESTA (Visa Waiver), eine Auslandskrankenversicherung, und einen internationalen Führerschein (der aber in NJ keine Pflicht ist) haben sich die Grannies selbst gekümmert, den Flug haben wir meistens für sie gebucht.

e/m: Liebe Sabine, herzlichen Dank für deine Auskünfte. Wir wünschen Deiner Familie und vor allem Dir alles Gute und einen wunderschönen Frühling in New Jersey.

Mehr über Granny Aupair findet ihr hier. Außerdem gibt es auf dem Expatmamas-Blog ein weiteres Interview mit einer Familie, die eine Granny Aupair zum Spracherhalt beschäftigt.

Autor

Jonna Struwe, freiberufliche Autorin, Bloggerin und Gründerin von Expatmamas.de, dem Portal für Familien im Ausland

5 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

    1. Jonna sagt:

      Mir hat die Idee einer Granny als Aupair auch spontan gefallen. Da es das für uns damals in England noch nicht gab, hatten wir Babysitter – erst die klassischen jungen Mädchen, dann eine 50jährige. Und ich muss sagen: die Granny (sie war tatsächlich schon Oma) als Nanny war Weltklasse!

  1. Ruth sagt:

    Wenn du dir als „Granny“ überlegst, ob Au Pair etwas für dich wäre und du dann liest, dass ein Argument pro Granny für die Familie ist, dass man sie deutlich schlechter bezahlen kann, als eine Junge, dann lässt du das einfach besser. Die Alten liefern ihr Können und ihre Erfahrung zum Billigtarif und bei den Jungen ist es voll in Ordnung, wenn sie „kosten“? Diese Alten sind eventuell in ihrem Berufsleben schon so schlecht bezahlt worden, dass sie von ihrer Rente nicht auskömmlich leben können und von denen erwartet man Engagement ohne Eigennutz?

    1. Jonna sagt:

      Hallo Ruth,
      es tut mir leid, wenn du meine Interviewpartnerin so verstanden hast, dass sie jemanden schlechter bezahlen will. Ich denke, so war das nicht gemeint. Es bezog sich eher auf die zum Teil horrenden Vermittlungsgebühren, die Klassische Au-Pair-Agenturen verlangen. Ich denke auch, ein Au-Pair-Job – ob für jung oder alt- eignet sich eher weniger, um ein mageres Einkommen aufzubessern. Aber er bietet die Möglichkeit, ohne Kosten neue Länder kennen zu lernen.
      Im Übrigen sehe ich es auch als ein großes gesellschaftliches Problem, dass vor allem Frauen von Altersarmut betroffen sind. Mein eigener „Karriereknick“ durch den Auslandsaufenthalt macht mich selbst zu einer potenziellen Kandidatin.
      Herzliche Grüße
      Jonna

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