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Frisch gelesen: Stories for boys who dare to be different

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Vom Mut, anders zu sein

Mädchen haben es immer noch schwer, sich zu behaupten und brauchen starke, Mut machende Vorbilder. Das scheint Konsens. Und Jungs? Aus meiner Erfahrung mit einer Tochter und einem Sohn sage ich: Jungen geht es ganz genauso, sobald sie nicht den gängigen Rollen-Klischees entsprechen. Und so wie die „Good night stories vor rebel girls“ hier im Hause verschlungen wurden (übrigens von beiden Kindern gleichermaßen begeistert), genauso fanden die „Stories for boys who dare to be different“ von Ben Brooks hier zwei neue Fans. Und weil mich das Thema gerade sehr umtreibt, wie wir unsere Kinder unterstützen können, damit sie sich zu empathischen, respektvollen Menschen entwickeln, gibt es heute mal eine Buchempfehlung abseits der Expat-Pfade.  

Auch Jungen brauchen Vorbilder

Wenn man sich als Junge in der 7. Klasse mit Mädchen gut versteht, wird man mit dummen Sprüchen überschüttet. Wenn man sich als Teenie für Sprachen, Pflanzen oder Musik interessiert, wird man von der Seite angeschaut. Ganz zu schweigen, was die Jungen durchmachen, die auf irgendeine Art und Weise eingeschränkt sind, oder diejenigen, die feststellen, dass sie schwul sind. Mein erster Eindruck, als ich die „Stories for boys who dare to be different“ las, war: Erschreckend, wie viele dieser Biographien damit beginnen, dass derjenige in der Schule gemobbt wurde. Und: Wie ermutigend, dass sie sich nicht haben unterkriegen lassen.

Ben Brooks zeigt in seinem Buch die Lebenswege von Staatsmännern, Forschern, Erfindern, Widerstandskämpfern, Umweltaktivisten, Künstlern und Gelehrten – von Konfuzius bis heute. Neben offensichtlichen Namen wie etwa Barak Obama, Bill Gates oder Galileo Galilei kommen auch den Kindern weniger geläufige aber nicht minder berühmte Männer wie Carl von Linné oder Louis Braille vor. Was ich an dem Buch aber vor allem liebe, sind die Geschichten der normalen Menschen, deren Namen man wahrscheinlich noch nie gehört hat.

Jeder kann etwas tun, jeder kann Vorbild sein

Es sind die Geschichten von Jungen und Männern, die ihren Überzeugungen und Leidenschaften gefolgt sind oder mit zivilem Ungehorsam Veränderungen herbeigeführt haben, die am meisten bewegen; so wie die Jungs der Isca Academy, die im Rock zum Unterricht erschienen, um gegen ungerechte Schuluniformen zu protestieren. Mich begeistern gerade die Portraits aus unserem Jahrhundert so sehr, weil sie Probleme behandeln, die auch unsere Kinder beschäftigen: Bespiele wie Boyan Slat, der als Junge im Sommerurlaub beschließt, etwas gegen die Vermüllung der Meere zu tun und seine Firma Ocean Clean-up gründet. Oder Ryan Hreljac, der als Kind anfängt, Spenden für saubere Trinkwasser-Brunnen in Afrika zu sammeln, und seine eigene Hilfsorganisation ins Leben ruft. Oder Christian McPhilamy, der sich die Haare zwei Jahre lang wachsen lässt, um sie krebskranken Kindern zu spenden. Oder Jaylen Arnold, der eine Website entwickelt, um all den Kindern zu helfen, die gemobbt werden. Sie alle zeigen: Du kannst etwas tun.

Vorbilder jenseits von Klischees

Es kommen besondere Menschen vor wie z.B. Daniel Tammet, der als Autist offiziell als behindert gilt und gleichzeitig eine unwahrscheinliche Begabung für Zahlen hat; und Männer in besonderen Berufen wie z.B. Sergei Polunin, der als Balletttänzer seine eigenen Wege findet. Männer aus unterdrückten und fast vergessenen Kulturen wie Taika Waititi, der als Filmregisseur endlich reale und witzige Geschichten über Maori erzählen möchte und keine Klischees von halbnackten Kriegern im Outback.

Das sind die Momente, in denen das Buch seinem Anspruch, Geschichten jenseits von stereotypen Männlichkeitsbildern und Rollenklischees zu erzählen, meiner Meinung nach am Besten gerecht wird.

Aber auch bei den bekannten Namen ist spannend zu lesen, welche Aspekte im Lebenslauf der Autor als Vorbild gebend und Mut machend herausstellt. Aufgestoßen ist mir dabei nur ein einziges Portrait, das von Lionel Messi, meinem Sohn natürlich bestens vertraut und von ihm bewundert für sein Fußball-Talent. Allerdings weiß das Kind auch genauso über Messis Steuermoral Bescheid und ich finde als Vorbild kann nur ein integrer Mensch dienen. Integrität halte ich für einen der wichtigsten Maßstäbe überhaupt (egal ob Jungs oder Mädchen), sodass ich die Auswahl des Autors hier nicht ganz nachvollziehen kann.

Ein Buch für Kinder ab 10

Dennoch: Ein unbedingt lesenswertes Buch für ALLE Kinder (Jungs wie Mädchen) – vielleicht nicht unbedingt ab 5 Jahren, wie offiziell empfohlen. Meine Kinder wären jedenfalls mit 5 überfordert gewesen, denn sie wussten in dem Alter noch nicht, dass man in der Schule schlimm drangsaliert werden kann, dass Männer wie Frauen für ihre Überzeugungen hingerichtet werden oder dass auch sehr junge Menschen von grausamen Krankheiten betroffen sind. Vielleicht waren sie da sehr behütet. Jetzt aber, für einen 12-Jährigen, finde ich das Buch genau richtig, denn an der Schwelle zur Pubertät kennt er die Selbstzweifel und die Verunsicherung, was „man als Junge“ angeblich zu tun und gut zu finden hat. Mutmach-Geschichten und Zitate wie von Nick Vujicic treffen da genau ins Herz: „Wer denkt, dass er nicht gut genug ist, hat unrecht. Wer denkt, dass er nichts wert ist, hat unrecht.“

Last but not least

Ben Brooks schreibt übrigens gerade an einem Band „Stories for KIDS“ und spricht mir damit aus dem Herzen: nämlich damit zu brechen, dass es Bücher für Mädchen und Bücher für Jungs gibt, sondern einfach Bücher für Kinder. Menschen sind schließlich nicht wegen ihres Geschlechts Vorbilder, sondern wegen ihrer Überzeugungen, ihrer Werte und Taten.

Ben Brooks
Stories for boys who dare to be different – Vom Mut anders zu sein
Loewe 2018
208 Seiten
ISBN: 978-3-7432-0259-7
19,95 EUR
Ab 5 Jahren

Auch als ebook erhältlich!

Autor

Jonna Struwe, freiberufliche Autorin, Bloggerin und Gründerin von Expatmamas.de, dem Portal für Familien im Ausland

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