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Von Zauberern und Seekühen – eine magische Winterwoche

Von Zauberern und Seekühen - www.expatmamas.de/blog/ #expatmamas #imauslandzuhause #lebenindenusa

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Teenager hier im Haus die Begeisterung des Papas für ein neues Expat-Abenteuer nicht teilten. Trotz Unmut und Tränen machen sie aber ihre Sache hier grandios und wir versuchen, ihnen in den Ferien Amerika von seiner besten Seite zu zeigen. Frei nach dem Motto: Selbst wenn der Weg hart ist, er führt auch an schönen Dingen vorbei. Und für die Weihnachtsferien gab es zwei besondere Highlights: Zauberer und Seekühe.

Fast hätte ja das Pfeiffersche Drüsenfieber alle schönen Pläne durchkreuzt; seit Thanksgiving war Kind 1 krank wie noch nie und keinen Tag in der Schule. Immerhin verbrachte sie das Wochenende vor der Abreise außerhalb des Bettes und so wagten wir uns auf die Straße: Orlando wir kommen!

The Wizzarding World of Harry Potter

Statt Kultururlaub gab es dieses Mal zum Reise-Auftakt also etwas ganz für die Kinder: Eintauchen in die Harry Potter-Buchwelt, in die vollkommene Illusion (etwas, was Amerika perfekt kann). Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung probieren. Die Läden der Winkelgasse durchstöbern. Sich in der Nokturngasse gruseln. Im Schaufenster einen Feuerblitz bestaunen (inkl. Besenpflege-Set). An Bahnsteig 9 ¾ in den Hogwarts-Express steigen. In Hogsmeade im Eulen-Postamt vorbeischauen. Im Schloss Zeuge werden, wie sich die Schulgründer in ihren Portäts zanken. Und immer wieder wundern, wie an jedes Detail gedacht wurde (Attention to detail ist eigentlich weniger amerikanisch). Kind 1 blühte auf, Kind 2 war ohnehin das sprühende Leben, die Eltern ließen sich anstecken von ihrer Begeisterung und alle hatten am Abend die Energie, noch einmal wieder zu kommen, um Hogwarts mit Weihnachtslichtspektakel zu erleben.

Falls nun eure Kinder: „Ich will auch!“ schreien, hier fünf Dinge, die sich bei unserem Besuch bewährt haben:

  • Ein Universal-Hotel zu buchen, das einen Shuttle-Bus bietet, so konnten wir bequem zum Haupteingang gondeln (am Nachmittag zurück und am Abend nochmal hin)
  • Early Admission-Tickets zu kaufen und dafür auch am Besuchstag um 6 aufzustehen, so waren wir am Morgen fast allein in der Winkelgasse und mittags um 12 quasi durch, als es voll wurde
  • Den Doppelpass für beide Parks zu kaufen, so konnten wir den Hogwarts-Express fahren, der beide verbindet und sich wirklich lohnt
  • Den Besuch vor Weihnachten zu machen an einem Wochentag, so hielt sich die Besucherflut in Grenzen
  • Einen Proviant-Rucksack zu haben und so das Geld lieber bei Fortescues Eissalon für ein Eis auszugeben

Nach Orlando hätten wir auch getrost wieder nach Hause fahren können. Die Kinder waren selig. Aber wir hatten noch mehr vor. 

The Peculiar World of Salvador

Weiter ging es an den Golf nach St. Pete Beach. Lange Strände mit Muscheln wollten wir und haben sie auch bekommen. Dazu kamen aber auch noch die ersten Sanddollar meines Lebens (ich liebe sie!) und vor der Hotelterrasse einen Nachmittag lang gratis Vorstellung dreier Delfine, die es auf die Schwärme dicker Fische unter dem Bootssteg abgesehen hatten und eine Attacke nach der anderen schwammen. Was für ein Schauspiel!

Um unsere Kinder nicht allzu sehr zu verwöhnen, mussten sie noch einen Nachmittag mit ins Dalí-Museum in St. Petersburg, wo die weltgrößte Sammlung des spanischen Malers versammelt ist. Ich muss gestehen, dass ich Dalí-Bilder nicht besonders mag, aber ein Museumsführer hat es geschafft, uns mit seinen Geschichten und Erklärungen in seinen Bann zu schlagen (eloquent präsentieren können die Amerikaner) und das Museum selbst ist ein toller Bau direkt am Meer.

The Magical World of Manatees

Das unerwartete Schauspiel der Delfine hatte nun eigentlich schon den Wildlife-Teil unserer Reise abgedeckt, trotzdem blieb die letzte Station auf der Agenda: Crystal River, wo wegen der warmen Wasserquellen hunderte Seekühe jedes Jahr überwintern. Die wollten wir sehen und ja, uns auch zu ihnen ins Wasser wagen. Das „Wagnis“ beschränkt sich allerdings darauf, mit Schnorchel in einen mehr oder weniger klaren Fluss zu steigen, in dem man an vielen Stellen sogar stehen kann, denn die Seekühe an sich gelten als zutraulich, behäbig und sie sind Vegetarier (wenn auch drei Meter lange und eine Tonne schwere Vegetarier). Realistisch betrachtet, müssten die Seekühe mehr Angst vor uns haben, denn sie sind vom Aussterben bedroht, dank Motorbooten und Klimawandel. 

Wie so oft ist es nicht immer einfach, Realität und Wahrnehmung überein zu bringen, und so hat es mich dennoch einige Selbstüberwindung gekostet, mich den Tieren zu nähern; ja, es war auch mitunter ein fester Griff des Tauch-Guides nötig (halb zog er sie, halb sank sie hin – Goethe und sein Fischer mögen mir verzeihen). Nie zuvor bin ich einem so großen Tier so nah gewesen, einem Tier, das ich nur aus Dokumentarfilmen kannte. Als eine der Seekühe dann meinte, genau unter mir zum Atmen auftauchen zu müssen, hab’ ich mich zwar vor Schreck auf Kind 1 geworfen, das vor Lachen fast ertrunken wäre, aber hey, wer würde für so ein Erlebnis keine Opfer bringen?   

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Falls ihr jetzt schreit: „Das will ich auch!“ hier meine Tipps für die Buchung:

  • Im Winter kommen, denn dann ist die Chance, mehr als nur ein Tier zu sehen, vielfach höher
  • Tour und Hotel möglichst nah beieinander buchen, denn wenn man vor Flusswasser tropfend zurückkommt, ist es nett, gleich in die eigene Dusche schlappen zu können (wir waren hier)
  • Eine Tour am Morgen buchen, denn dann kann man nachmittags ein zweites Mal gehen (haben wir nicht gemacht)

So hatten wir in diesem Urlaub alle unsere mind-blowing moments, im wahrsten Sinne kopflos und überwältigend. Kontrastreicher hätten diese 6 Tage nicht sein können. Und wir haben uns alle schon vor Weihnachten reich beschenkt gefühlt.

Autor

Jonna Struwe, freiberufliche Autorin, Bloggerin und Gründerin von Expatmamas.de, dem Portal für Familien im Ausland

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