Glückskeks des Monats

Unser Glückskeks im Oktober: Neue Heimat

Neue Heimat - www.expatmamas.de/ - #bloggerfürflüchtlinge #expatmamas

Ich erinnere mich noch genau an den Moment in England, als ich zum ersten Mal jemanden meinen Namen sagen hörte. Damit meine ich nicht den Klempner, der mich in der dritten Woche mit „Hi, Jonna“ an der Haustür begrüßte, obwohl wir uns noch nie begegnet waren. Nein, es dauerte ein bisschen länger. Ich stand an der Kasse im Sainsbury’s und plötzlich hörte ich meinen Namen von weiter hinten. Es war eine Mama aus der Babygruppe, die mich in der Schlange erspäht hatte. Mein Herz machte einen kleinen Hüpfer : „Juhu, jemand kennt mich! Und mag mit mir reden.“ (Sie hätte ja auch still bleiben können; dann wär‘ sie wahrscheinlich unentdeckt geblieben.) In dem Moment fühlte ich mich zum ersten Mal richtig angekommen.

Ich denke, alle Expatmamas wissen, was es heißt, sich fremd zu fühlen. Sie wissen, wie sehr man darauf angewiesen ist, dass andere auf einen zugehen, geduldig sind, wenn man die Sprache nicht richtig beherrscht, freundlich lächelnd helfen, wenn man nicht weiter weiß. Und ich denke, dass aus diesem Grund sich auch so viele von euch in diesen Tagen mit den Menschen befassen, die auf der Flucht sind, auf der Suche nach einer neuen Heimat. Ihr macht euch Gedanken über all die, die sich fremd und verloren fühlen und nichts dringender brauchen, als sich aufgenommen zu fühlen. Weil wir uns alle daran erinnern, wie gut es tut, wenn in der Fremde jemand auf uns zukommt. Natürlich sind Expatmamas nicht die einzigen, die das tun – wie man an den vielen Helfern sehen kann – aber es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass sie es tun.

Wie sagte Hermann Hesse einst so schön: Kein Mensch fühlt im anderen eine Schwingung mit, ohne dass er sie selbst in sich hat.

Deswegen möchte ich allen gerne die Beiträge der Expatmamas-Bloggerinnen zu dem Thema ans Herz legen: die Gedanken von Verena von Mamirocks mit ihrem Artikel „Fremdgefühle“ zur Blogparade von Landlebenblog; von Sarah von Mamaslifestyle, die uns sehr eindrücklich ihre Begegnung mit einem Flüchtling in Bangkok schildert; von Tanja von tafjora, die ein wunderbares Zitat aus Kindermund mit uns teilt in ihrem Beitrag „Weil ich nicht nichts tun möchte„; und von Karen von Myyratohtori aus Finnland, die die tausend Fragen ihrer Mäusekinder postet.

Ich bin sicher, dass viele andere auch auf die ein oder andere Weise ihren Beitrag leisten, auch wenn sie nicht darüber berichten. Euch allen gebührt Respekt. Denn noch etwas sagte Hesse:

Wo befreundete Wege zusammenlaufen, da sieht die ganze Welt für eine Stunde wie Heimat aus.

Oder was denkt ihr?  Ich freue mich über eure Kommentare.

Autor

Jonna Struwe, freiberufliche Autorin, Bloggerin und Gründerin von Expatmamas.de, dem Portal für Familien im Ausland

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Liebe Jonna,
    ein ganz besonderer „Glückskeks“ diesen Monat.
    So treffend geschrieben, ich hatte Gänsehaut und 1000 Erinnerungen beim Lesen. Ich muss so oft in diesen Tagen daran denken, wie „hilflos“ ich am Anfang im Ausland war, weil ich nichts verstanden hatte. Dann diese vielen Formulare die ich nicht verstand und die ich ohne Hilfe von lieben und verständnisvollen Menschen hätte ausfüllen können…
    Danke für diesen etwas anderen „Glückskeks“!
    Tanja von Tafjora

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