Expat-Leben: Wohin mit der Expatmama-Zeit im Lebenslauf?

Expat-Leben: Wohin mit der Expatmama-Zeit im Lebenslauf - Gastbeitrag Dagmar Gumnior Personal und Text

Zurück nach Deutschland heißt für Expatmamas oft zurück in den Arbeitsmarkt aber selten zurück in den alten Job. Von meinen eigenen Erfahrungen hatte ich euch hier berichtet. Dann steht man da mit seinen Bewerbungsunterlagen und ich habe mich damals gefragt: “Wo und wie schreibe ich da jetzt eigentlich meine Expatmama-Zeit hinein?”  Inzwischen weiß ich, dass es nicht nur mir so geht, und ich habe mich deswegen auf die Suche nach Expertenrat gemacht. Gesucht – gefunden. Dagmar Gumnior, Personal-Expertin aus Hamburg, schreibt heute bei den Expatmamas ein paar Tipps für euch und ich bin ihr sehr dankbar dafür. 

Ein Gastbeitrag von Dagmar Gumnior

Eine Zeit als “Expatmama” im Ausland ist eine intensive Zeit, die auch die persönliche Weiterentwicklung wesentlich prägt. Gleichzeitig bedeutet es für die Mehrheit der Expatmamas, den eigenen Beruf in dieser Zeit aufzugeben. Nur selten ist es möglich, während dieser Zeit im bisherigen Job weiter zu arbeiten.

Und was tun, wenn man dann nach mehreren Jahren im Ausland wieder in der Heimat ist? Während der Mann in der Regel beruflich gleich wieder im Alltag steht, steht die Expatmama vor vielen Fragen…

Wo fange ich beruflich wieder an?

Die wenigsten können in den alten Job einfach wieder einsteigen. Die Welt hat sich weitergedreht, der alte Job ist längst besetzt, man wohnt nun in einer anderen Stadt oder will den Job auch schlicht nicht mehr. Es gilt also, sich neu zu bewerben, doch wie geht man mit dem Auslandsaufenthalt in der Bewerbung um?

Wie kann ich meinen Auslandsaufenthalt als Expatmama im Lebenslauf darstellen?

Es gibt drei verschiedene Optionen:

  1. Direkt unter Berufserfahrung / Praktische Erfahrung benannt als Auslandsaufenthalt. Da der Auslandsaufenthalt damit direkt am Anfang des Lebenslaufs steht, ist dies die prominenteste Platzierung. Hier könnten bzw. sollten dann auch Tätigkeiten mit aufgeführt werden, die man während des Auslandsaufenthaltes gemacht hat, analog zu den Tätigkeiten bei den einzelnen Berufsstationen. Ob dies nun Weiterbildungen sind, Sprachkurse, ehrenamtliches Engagement, Bloggen, kleinere Tätigkeiten oder Projekte…
  2. Möchte man den Auslandsaufenthalt nicht ganz so sehr betonen an dieser Stelle, kann man auch statt der Bezeichnung “Auslandsaufenthalt” das ganze “Familienzeit” nennen und dann Ort und Land natürlich trotzdem ergänzen. Erklärend noch mit dem Zusatz “Begleitung des Ehepartners bei Auslandsentsendung”.
  3. Als eigene Kategorie: Auslandsaufenthalte / Auslandserfahrung. Eventuell gab es ja gleich mehrere Expatstationen. Gerade, wenn es auch noch frühere Auslandsaufenthalte (Studium o.ä.) gab, ist eine eigene Kategorie besonders sinnvoll. Andererseits endet damit die oberste Kategorie “Berufserfahrung” mit dem letzten Job vor mehreren Jahren, so dass der Leser des Lebenslaufes erstmal suchen muss, was denn in den letzten Jahren passiert ist. Dies ist aber in der Regel kein Problem.

Es gibt verschiedene Varianten der Darstellung, welche ist sinnvoll?

Wichtig ist es, sich die Frage zu beantworten, ob und inwiefern der Auslandsaufenthalt für den Arbeitsgeber und den angestrebten Job von Vorteil ist. Und je nachdem sollte man dann die Platzierung im Lebenslauf wählen:

Sofern man während des Auslandsaufenthaltes regelmäßige berufliche Tätigkeiten ausgeübt hat, auch wenn diese eventuell nicht gewinnorientiert waren oder auch keinen Bezug zum vorigen Beruf hatten, sollte der Auslandsaufenthalt trotzdem in jedem Falle unter Berufserfahrung mit eben diesen Tätigkeiten stehen.

Wenn der Auslandsaufenthalt oder die erworbenen Sprachkenntnisse vorteilhaft für den gewünschten Job sind, sollte man ihn immer unter Berufserfahrung platzieren, da er hier direkt ins Auge fällt. (Variante 1)

In Fällen, in denen der Auslandsaufenthalt keine besondere Rolle spielt, kann er als Familienzeit unter Berufserfahrung auftauchen (Variante 2) oder entsprechend weiter unten im Lebenslauf in einer eigenen Kategorie erwähnt werden (Variante 3), das ist Geschmackssache.

Wie wird der Auslandsaufenthalt von Arbeitgebern beurteilt?

Die Beurteilung eines Auslandsaufenthaltes hängt im Wesentlichen von der Persönlichkeit des jeweiligen Entscheiders / Personalers / Vorgesetzten ab und ist somit schwer vorherzusagen. Aber natürlich kann es auch branchen- und firmenbezogene Unterschiede geben.
So kann es in Unternehmen, die sehr global organisiert sind, ein Vorteil sein, denn man bringt nicht nur zusätzliche Sprachkenntnisse mit, sondern hat auch über den Tellerrand geschaut und sich mit fremden Kulturen auseinandergesetzt.

Andererseits kann ein Auslandsaufenthalt in kleinen Unternehmen, die sehr lokal agieren, auch befremdlich wirken. Weder Multinationalität noch Sprachkenntnisse sind gefragt und aus dem Auslandsaufenthalt können sogar Vorurteile entstehen à la “Der reicht das hier bestimmt nicht in unserem kleinen Betrieb.” Gerade hier spielt sehr die Persönlichkeit des Entscheiders eine Rolle. Genauso gut kann ein Auslandsaufenthalt auch in einem kleinen Unternehmen als spannender Asset gesehen werden oder einfach wertneutral.

Jeder Berufsweg und auch jeder Auslandsaufenthalt ist ein anderer, so dass auch jeder Lebenslauf am Ende anders aussehen wird. Empfehlungen lassen sich daher natürlich nur in einem gewissen Rahmen pauschalieren, aber fest steht in jedem Fall:

Mit eurem Auslandsaufenthalt bringt ihr nicht nur für eure eigene Entwicklung herausragende Erfahrung mit, sondern auch Fähigkeiten, die für viele Jobs bereichernd sind!

Expat-Leben: Wohin mit der Expatmama-Zeit im Lebenslauf - www.expatmamas.de - Portrait Dagmar GumniorDagmar Gumnior, Personal-Expertin mit Erfahrung und Leidenschaft, erstellt und optimiert seit 2015 selbständig als Ghostwriterin Bewerbungsunterlagen und Arbeitszeugnisse für Arbeitssuchende und Unternehmen.
Dagmar lebt in Hamburg, ist verheiratet und Mutter von Zwillingen. Mehr zu ihrem Angebot findet ihr auf ihrer Website. Sprecht sie gerne an, wenn ihr euren eigenen Lebenslauf überarbeiten wollt oder hinterlasst hier in den Kommentaren eure Erfahrungen und Fragen. Wir freuen uns, von euch zu hören.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr guter Artikel und ebenso Jonnas post “Meine Rückkehr aus der Expat- und Elternzeit”!

    Ich stelle fest, dass sich einige Expat-Spouses keine oder kaum Gedanken darüber machen, wie SIE die Zeit im Ausland für sich nutzen möchten und können. Meiner Meinung nach sollte das ein wichtiges Kriterium vor der Entscheidung, ob man gemeinsam ins Ausland gehen möchte, sein und intensive besprochen warden. Natürlich ist es praktisch, wenn Elternzeit und Expatzeit zusammenfallen, doch was passiert anschließend? Die meisten Frauen gehen nicht in den alten Beruf zurück. Manche wissen es auch schon vor der Entsendung. Die Gründe liegen entweder in der neuen Familiensituation, in einem weiteren Ortswechsel oder auch in der allgemeinen Unzufriedenheit im alten Beruf.

    Die Expat Zeit bietet meiner Meinung nach gerade viele Möglichkeiten sich neu zu orientieren. Wer weiß, wo er hin will, kann auch sein Ziel erreichen. Also, nutzt die Zeit, um herauszufinden, wie es beruflich nach der Entsendung weitergehen kann! Darauf aufbauend können bereits Kontakte, Recherchen oder eine kontinuierliche Weiterbildung erfolgen, damit die Rückkehr zu einer freudigen und erfolgreichen Zeit wird. Ich arbeite seit Anfang des Jahres als deutschsprachiger Coach im Ausland genau zu diesen Fragestellungen. Eine Klientin von mir ist gerade auf einem wunderbaren Weg und es bereitet mir eine große Freude, sie dabei zu begleiten. Es ist unglaublich was sich bei ihr alles verändert hat, nachdem sie ihre nächsten Schritte für sich definiert hat.

    …..und: “Ein Mann ist keine Altersvorsorge”, wie ein sehr empfehelenswerter Ratgeber von Helma Sick und Renate Schmidt heißt. Finanzielle Unabhängigkeit ist für Frauen heute wichtiger den je!

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