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Expatmamas-Wissen: R – Rückkehr und Reverse Culture Shock

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Der Umzug wieder zurück nach Deutschland ist nicht mehr in erster Linie eine organisatorische Herausforderung (schließlich haben wir das alles schon einmal gemacht), sondern eine emotionale. Man wird das Leben daheim unweigerlich mit anderen Augen sehen, denn wir vergleichen es mit den Erfahrungen in unserem Gastland. 

Fremd im eigenen Land

Manche erleben bei der Rückkehr einen zweiten Kulturschock und fühlen sich plötzlich fremd im eigenen Land. Allen sei zum Trost gesagt, dass das zur Expat-Erfahrung dazugehört, und vielen hilft es, sich immer dann, wenn man am meisten hadert, vor Augen zu führen, was man an Deutschland am meisten vermisst hat

Die Reintegration braucht genauso Zeit wie das Einleben im Gastland. Das wird oft unterschätzt. Während man bei der Ausreise mit einer Eingewöhnungszeit rechnet, erwartet niemand, weder der Expat selbst, noch die Umgebung daheim, größere Anpassungsschwierigkeiten bei der Rückkehr. Und wie immer sind die Probleme größer, wenn wir ihnen unvorbereitet begegnen.

Die unsichtbare Gefahr

Was wir uns vor Augen führen müssen, wenn wir von Rückkehr sprechen ist, dass Rückkehr immer impliziert, dass man an einen vertrauten Ort geht. Doch das trifft oft nur für uns Eltern zu, für die Kinder selten. 

Auch ich bin in diese Falle getappt. Als wir nach Deutschland zurückkamen, hatte ich etwas Entscheidendes nicht verstanden: Für unsere Kinder (damals drei und vier Jahre alt) war es keine Rückkehr. Ich hatte nicht erwartet, dass sie Probleme haben würden, und habe deswegen ihren Kummer zu lange übersehen. Ich fand ihr Erstaunen darüber, dass ja alle Deutsch sprechen, eher drollig; ihre Tränen über dies und das erklärte ich mit Übermüdung und die grauenhaften Wutanfälle mit einer ungewöhnlichen Trotzphase. Erst als Kind 1 aufhörte, regelmäßig auf die Toilette zu gehen, Kind 2 dagegen das Bett nachts wieder nass machte, dämmerte mir, dass da was im Argen lag. Heute würde ich sagen: Der Groschen fiel pfennigweise.

Warum Kinder selten wirklich „zurückkehren“

Je kleiner die Kinder bei der Ausreise waren, desto weniger kann man von einer Rückkehr sprechen. Sie haben kaum eine Erinnerung, an die sie anknüpfen können. Und selbst größere Kinder sind mit viel Neuem konfrontiert.

Wer als Kindergartenkind ausreiste, kommt als Schulkind wieder und der deutsche Schulalltag ist fremd.

Wer als Grundschulkind das Land verlies, muss sich mit der weiterführenden Schule neu orientieren.

Und selbst wenn die Kinder in die gleiche Klasse zurückkehren, so werden sie sich anpassen müssen an neue Freundschaftskonstellationen in der Klasse, Themen, die „in“ sind, und die Tatsache, dass sich kaum einer dafür interessiert, wie das Leben im Ausland war.

Kinder entwickeln sich in wenigen Jahren in riesigen Schritten, ihre Persönlichkeit bildet sich erst, sie kommen daher nie in eine unveränderte Situation zurück.

Rückkehr und Wiedereinstieg ins Berufsleben

Wer mit den Eingewöhnungsschwierigkeiten der Kinder nicht rechnet und erwartet, dass sofort alles seinen gewohnten Gang geht, der wird schnell unter Druck geraten bei der vielleicht drängendsten Frage für viele Expatmamas: nämlich der Frage nach dem beruflichen Wiedereinstieg.

Selbst wenn man persönlich das Thema langsam angehen möchte, sieht man sich oft mit unverständigen Fragen der Umgebung konfrontiert, wie es denn nun mit der Berufstätigkeit stünde, die Kisten wären doch sicher ausgepackt. Doch selten geht es für die Expat-Partner einfach zurück in den alten Job; viel öfter muss man sich nach den Auslandsjahren völlig neu bewerben. Das birgt viel Verunsicherung, bietet Anlass für Unzufriedenheit und kostet Zeit und Energie.

Und auch der Expat selbst kehrt nicht einfach in alte Büro-Routinen zurück, sondern fremdelt oft mit steileren Hierarchien und der deutschen Arbeitskultur. Vielleicht fühlt er sich auch in einer Übergangsposition gefangen und ist versucht, schon bald wieder eine Entsendung anzustreben. Auch hier braucht die Re-Integration Zeit.

4 Tipps für eine gelungene Rückkehr

Aus meiner eigenen Rückkehr-Erfahrung heraus möchte ich dir daher vier Tipps von Expat-Coach Ann Wöste ans Herz legen:

1) Betrachte eine Rückkehr als weitere Auslandsstation

So bist du innerlich darauf vorbereitet, dass du dich auch wieder an das Leben in Deutschland gewöhnen musst und Gefühlsschwankungen treffen dich nicht unvorbereitet.

2) Bereite den Abschied langfristig vor und feier gebührend

Mach mit der Familie eine Liste, was ihr im Ausland noch unbedingt machen wollt und schafft Erinnerungen für die Kinder zum Beispiel mit Hilfe eines Freundebuches (sehr empfehlenswert: Petra Houweling: Friendship-Book – for kids on the move).

3) Betone gegenüber den Kindern das „Wieder-zuhause-sein“ nicht zu sehr

In der Regel werden deine Kinder das Leben im Ausland als Zuhause betrachten; sie erleben den Umzug nach Deutschland als Verlust, als Zeit großer Verunsicherung. Gib ihren Ängsten und ihrer Trauer Raum. Überfordere die Kinder nicht mit zu vielen Aktivitäten, für sie ist alles neu. Sie brauchen Zeit, sich einzufinden – und zwar genauso lange wie beim Umzug ins Ausland.

4) Setze dich beim beruflichen Wiedereinstieg nicht unter Druck

Hab Geduld mit dir: Investiere Zeit in das Wiedereinleben der ganzen Familie und schaffe so eine verlässliche Grundlage für deinen eigenen Wiedereinstieg. Ein solides Fundament wird deine eigenen Vorhaben nachhaltig tragen. Suche dir ggf. professionelle Unterstützung, um die Auslandsjahre gewinnbringend im Lebenslauf zu präsentieren oder eine neue Perspektive zu entwickeln.

Wenn du dir diese Dinge zu Herzen nimmst, bist du gut gewappnet für die Rückkehr. Und für das Organisatorische Drumherum habe ich auch noch etwas für dich.

Eine Checkliste zur Vorbereitung deiner Rückkehr
Um dir für die Rückkehr nach Deutschland auch organisatorisch ein bisschen unter die Arme zu greifen, habe ich zusammen mit Tina Busch eine Checkliste zusammengestellt (Denn wahrscheinlich ist die lange To-Do-Liste für den Umzug INS Ausland längst im Papierkorb gelandet).

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

  1. Hannes sagt:

    Super, wie Du dieses eminent wichtige Thema analysierst. Kann mir gut vorstellen, dass die Probleme, äh, muss Herausforderungen heißen, bei der Rückkehr ins Entsendeland zu wenig Beachtung finden.

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