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Frisch gelesen: Zuhause, aber trotzdem fremd

Zuhause aber trotzdem fremd - www.expatmamas.de/expatmamas-blog/ #expatmamas #rückkehr #fremd

Rückkehr – das klingt für viele Expats erstmal so einfach. Es klingt nach Schlusspunkt hinter dem Kapitel Ausland. Und dann das: man ist „Zuhause, aber trotzdem fremd“, ein Gefühl, das viele überrascht, nicht wenige überfordert und Mona Gabriel motiviert hat, ein Buch dazu zu schreiben.

Mona Gabriel, selbst als Expat-Kind geboren, verbrachte mit ihrer eigenen Familie drei Jahre in der Slowakei und begleitet seit Jahren Expats bei der Wiedereingliederung in Deutschland. An sich selbst und anderen beobachtete Mona immer wieder, wie schwer die Rückkehr tatsächlich ist, und dass das innere Ankommen, die „Beheimatung“ ein langer Prozess ist. Mitnichten also ein Schlusspunkt.

Psychologisch gesehen ist ein Umzug ins Ausland ebenso wie die Rückkehr Stress, ähnlich dem einer Scheidung oder dem Tod eines Nahestehenden. Dieser Stress geht einher mit Gefühlen wie Trauer, Einsamkeit, Zweifel, innere Leere bis hin zur Depression, Ängsten und Wut.

Was man im Buch findet

Mona führte viele Interviews mit Rückkehrern jedes Alters und recherchierte ausführlich, um dem Phänomen des „Rückkehr-Schocks“ auf den Grund zu gehen und Tipps zu formulieren, die Expats helfen können. 

Entsprechend hat sie ihr Buch in zwei Hauptteile gegliedert: 1. Die Grundlagen zum Verständnis des Rückkehrschocks und 2. Ein Erste-Hilfe-Kasten.

Trotz der Hilfestellungen ist das Buch kein Coaching-Buch, sondern journalistisch aufbereitet, auf Augenhöhe mit den Leser*innen formuliert, erfrischend und flüssig zu lesen ohne Selbstfindungsjargon. Gerade die vielen eingestreuten Erfahrungsberichte anderer Expats machen das Buch sehr konkret und lebensnah.  

Auch wenn das Buch sich mit der Rückkehr beschäftigt, so klammert es die anderen Phasen der Entsendung nicht aus. Denn natürlich ist die Rückkehr davon beeinflusst, wie man z.B. manche Weichen vor der Ausreise gestellt hat und wie man die Entsendung erlebte (etwa hinsichtlich des Rollenmodells in der Familie).

Bemerkenswert finde ich, dass die Autorin auf zwei Aspekte eingeht, die ich sehr wichtig finde:

Zum einen zeigt sie in einem Exkurs, dass Unternehmen die Rückkehr der Mitarbeiter schlecht bis gar nicht managen und ein Viertel der Rückkehrer die Firma innerhalb des ersten Jahres verlässt; die begleitenden Familien sind entsprechend gänzlich außen vor.

Zum anderen widmet sich ein Kapitel eigens den besonderen Herausforderungen einer überstürzten Rückkehr, die während der Pandemie besonders viele traf, und durch Krisen, Kriege und Naturkatastrophen immer wieder vorkommen kann.

Immer wieder richtet Mona Gabriel auch ein besonderes Augenmerk auf die Rückkehr von Jugendlichen,

  • weil viele Expats gerade zu dieser Zeit zurückkehren (mit Blick auf den Schulabschluss)
  • weil aber die Pubertät eine besonders schwierige Zeit für eine Rückkehr ist (so viel anderes ist zusätzlich im Umbruch während dieser Jahre)
  • weil Kinder und Jugendliche im engeren Sinne nie „zurückkehren“, zu groß sind die Entwicklungsschritte, zu stark die Prägung im Ausland (TCK), zu schwach oft die Erinnerung an Deutschland.

Wie man sich beheimatet

Und was kann man nun tun, um besser anzukommen und den „Rückkehr-Schock“ zu überwinden?

Die schlechte Nachricht ist: Man braucht viel Zeit, denn man kann den Prozess nicht beschleunigen. „Es dauert so lange, wie es eben dauert“, schreibt Mona.

Die gute Nachricht ist: Man kann diese Zeit aktiv mitgestalten und sollte nicht einfach abwarten.

Denn Heimat ist für Rückkehrer, vor allem TCKs, nicht mehr einfach nur ein geografischer Ort, sondern ein Platz „an dem sie ganz sie selbst sein können, an dem sie akzeptiert werden, auch wenn sie manche Dinge anders sehen als die Mehrheit der Menschen dort.“ (S. 236)

Heimat als ein Gefühl von Verbundenheit mit anderen Menschen vor Ort lässt sich dementsprechend selbst beeinflussen, indem man sich z.B. engagiert in Gruppen und Vereinen oder Einladungen ausspricht.

Wann man das Buch lesen sollte 

Am besten liest man dieses Buch im Jahr vor der Rückkehr, auf jeden Fall in den ersten Wochen und Monaten zurück in Deutschland und theoretisch sogar schon vor der Ausreise, denn z.B. die Entscheidung, ob man die Wohnung behält, ist auch schon ein Vorgriff darauf, wie man sich die Rückkehr vorstellt.

Fazit: Dieses Buch wird vielen Expats helfen. Sie werden sich in den beschriebenen Phänomenen wiederfinden und allein dadurch schon ein Stück getröstet sein. Außerdem zeigt es, wieviel man selbst in der Hand hat, um besser anzukommen in Deutschland. Nur eines vermisse ich im Anhang zwischen all den Links und Lesetipps: den Hinweis auf die Expatmamas und die vielen Beiträge zum Thema Rückkehr, die man dort finden kann. Blog und Website sind eine wichtige Ressource seit vielen Jahren und ich hoffe, dass sie in der zweiten Auflage mit genannt sein werden. 

Mona Gabriel
Zuhause, aber trotzdem fremd
2022
ISBN: 979-8408525904
252 Seiten
14,98 EUR


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