Zurück aus … Mexiko

Zurück aus Mexiko - www.expatmamas.de - typisch Mexiko: bunte Hauswände und VW-Käfer

Bei den Expatmamas startet heute eine neue Interview-Reihe: In “Zurück aus …” erzählen Expatmamas von ihren ersten Erfahrungen wieder daheim in Deutschland. Was fällt ihnen schwer? Was fällt ihnen leicht? Worauf haben sie sich gefreut, was vermissen sie hier? Wie nehmen’s die Kinder und sie selbst? Denn die Rückkehr erfordert eine ebenso große Anpassungsleistung der Familie wie der erste Schritt ins Ausland. Nur ist man sich oft weniger bewusst darüber. Den Anfang zur neuen Serie macht heute Sina, die mit Mann und Kind aus Mexiko zurück ist. 

Liebe Sina, wo und wie lange hast Du im Ausland gelebt?
Ich habe von 2014 bis 2016 in Puebla in Mexiko gelebt.

War der Umzug nach Deutschland ein Neuanfang für Euch oder mehr eine Rückkehr in ein bereits bekanntes Leben?
Die Rückkehr nach Deutschland war ein Neuanfang in einer anderen Stadt. Ausgereist sind wir von Wolfsburg und zurückgekommen nach Ingolstadt. Somit ist das ein Neuanfang auf mehreren Ebenen: Beruflich, örtlich, sozial und von Niedersachsen nach Bayern auch kulturell ;-)

Hast Du ein Beispiel für kulturelle Unterschiede zwischen Niedersachsen und Bayern?
Ganz offensichtlich sind die sprachlichen Unterschiede. Jetzt bestelle ich keine Brezel mehr beim Bäcker sondern eine Brezn. Das geht mir noch leicht von den Lippen. Bei der Leberkassemmel wird´s schon schwieriger. Doch die norddeutsche Version Leberkäsebrötchen kommt hier nicht so gut an.

Warum seid Ihr zurückgekommen?
Der eigentliche Vertrag ging 3 Jahre. Wir sind ein Jahr eher als geplant zurückgekommen, weil sich für meinen Mann eine interessante berufliche Perspektive geboten hat.

Was gefällt Dir an der deutschen Lebensart? Woran wirst Du Dich vielleicht nie (wieder) gewöhnen?
Mit den deutschen Gepflogenheiten habe ich mich schnell wieder arrangiert. Dass es für alles Vorschriften und Regeln gibt, macht unser Leben in Deutschland koordinierter. Ich merke aber, dass ich mich mit einigen Vorschriften nicht identifizieren kann (z.B. Fahrradfahrverbot in der leeren Fußgängerzone). Da habe ich einfach noch andere Bilder aus Mexiko im Kopf. Da wünsche ich mir mehr Eigenverantwortung und gegenseitige Toleranz.

Was vermisst Du am Meisten?
Das ungewohnte, das Neue und die Entdeckungsmöglichkeiten in einer anderen Kultur. Auch die Sprache (das Spanisch) fehlt mir. Und… na klar! Die Sonne. Gerade jetzt im Winter fehlt mir die Schönwettergarantie. Dafür empfinde ich den Jahreszeitenwechsel viel intensiver als früher.

Wie hat sich Deine Familie wieder eingelebt?
Wir haben eine Tochter (11 Jahre), die sich wunderbar in das bayrische Schulsystem eingefunden hat und auch sonst die Rückkehr in vollen Zügen genießt. Gerade mit 11 und aufwärts beginnt die Zeit, die Umgebung großräumiger zu erkunden. Das kann ich in Deutschland mit einem viel besseren Gefühl zulassen. Hier kann meine Tochter zum Beispiel ohne Probleme alleine mit dem Bus zur Schule oder in die Stadt fahren.

Wie geht es Dir jetzt? Welche Pläne hast Du für Deine Zukunft?Zurück aus Mexiko - www.expatmamas.de - Portrait Sina Wellmann Personal Trainerin Ingolstadt
Auch nach 6 Monaten fühle ich mich noch nicht angekommen. Die Stadt und die Möglichkeiten sind toll, doch ich brauche noch Zeit, um mich heimisch zu fühlen. Was mir hauptsächlich dazu fehlt, ist ein soziales und berufliches Netzwerk. Das versuche ich mir durch Sport, Engagement in der Schule und den Besuch von Netzwerkveranstaltungen für Frauen oder Workshops für Unternehmerinnen aufzubauen. Aber auch das braucht alles seine Zeit. Und viel Selbstinitiative.
Meine ersten Schritte zurück in die Selbstständigkeit als Personal Trainerin laufen. Durch die Entsendung wurde ich für ein neues Thema sensibilisiert: Ortsunabhängige (Dienst)Leistungen anzubieten. Das war vorher nie ein Thema für mich. Doch jetzt merke ich, der nächste Ortswechsel kann schneller kommen als gedacht. Daher habe ich mein Angebot auf Onlinecoachings ausgeweitet und auch meine ersten Erfahrungen mit Webinaren gesammelt. Die Webinare sind öffentlich, das heißt jeder kann sich eintragen und kostenlos dabei sein. Da geht es um die Themen Lifestyle, Bewegung und Ernährung. Wer über die nächsten Termine informiert werden möchte, kann sich hier eintragen oder auch einfach mal auf meinem Blog stöbern.
Auch wenn die Onlinewelt wächst und viele Möglichkeiten bietet. Das Personal Training vor Ort mit allen Facetten (körperliches Training, Ernährungscoaching, Mindset und Motivation) ist noch mein Hauptarbeitsschwerpunkt.

Würdest Du etwas anders machen, wenn Du die Uhr zu einem Zeitpunkt vor dem Umzug zurückdrehen könntest?
Nein. Alles hat seinen Sinn, wenn die Zeit dazu gekommen ist.

Liebe Sina, vielen Dank für das Gespräch!

Sina hat den Expatmamas auch schon nach ihrer Ankunft in Puebla Rede und Antwort gestanden in meiner Serie “Neu in ..”. Hier geht es zu ihren ersten Eindrücken aus Mexiko.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Eine tolle neue Serie und ich bin schon gespannt auf die noch folgenden Interviews. Gerade den Prozess der Repatriation finde ich extrem spannend, wenn es zurück ins “Gewohnte” geht…

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  2. Pingback: Expat-Leben: „Komm aus dem Quark“ | Expatmamas – im Ausland zuhause

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