Blogger 1×1 für Expatmamas – Teil 6: Gut schreiben

Blogger 1x1 für Expatmamas: Gut schreiben - www.expatmamas.de/blog/ - #blogtipps #expatblog #bloggen #expatlebenSchreiben ist ein bisschen wie kochen: ein schlechter Text stößt genauso wie ein schlechtes Essen sofort auf; Text oder Teller werden dann schnell beiseitegeschoben. Ein guter Text dagegen wird wie ein angenehmes Essen meistens stillschweigend konsumiert und Schreiber wie Koch dürfen sich geschmeichelt fühlen, wenn der Leser bis zum Schlusssatz dabeibleibt bzw. der Esser auch den letzten Krümel verzehrt. Was aber macht genau einen guten Text aus? Darum geht es heute in unserem 6. Teil der Blogserie “Blogger 1×1 für Expatmamas”.

Praktische Tipps aus der Textküche

Daniela Heggmaier, erfahrene Texterin (die übrigens auch Bloggerschreibwerkstätten anbietet), bringt die Anforderungen an einen Text folgendermaßen auf den Punkt. Ein guter Text

  • Ist schnell erfassbar und verständlich
  • Holt den Leser bei seinen Bedürfnissen ab
  • Begeistert bis zum Schluss
  • Inspiriert, unterhält, informiert, leitet an
  • Und ist 100% DU.

Wie wichtig es ist, deine Leser nicht aus den Augen zu verlieren, darüber haben wir schon im zweiten Teil der Serie gesprochen. Wie du verständlich, authentisch und sprachlich gewandt schreibst, darum geht es heute.

Tipps für einen guten Stil

In einem Blog geht es um dich und dein Leben, deine Gedanken, deine Erlebnisse. Darum ist unser erster Tipp für authentisches Schreiben (oder 100% Du, wie Daniela es nennt):

Erzähle eine Geschichte – und schreibe keinen Polizeibericht. Beginne einen Text z.B. so: Kennt ihr Burgen, die heute noch so finster sind, dass man den Hauch vergangener Geister zu spüren glaubt? Und nicht so: Am Wochenende besuchten wir die Burg ABC.
Manche Formate wie “12 von 12” oder “Das Wochenende in Bildern” verführen ein bisschen zum leiernden Erzählen: Und dann war das und dann kam jenes und am Ende waren wir alle müde im Bett. (Leider hat dabei auch der Leser das große Gähnen bekommen). Es ist nicht leicht in einem solchen Rahmen gut zu erzählen. Vielleicht habe ich deswegen bisher einen großen Bogen darum gemacht.

Schreibe, wie du sprichst – dann wird dein Text lebendig, dann findest du deine ganz eigene Blogger-Stimme. Naela alias Die Gundy (vom gleichnamigen Instagram-Account) hat das Prinzip sogar zum Stilmittel erhoben. Sie schreibt, als würde sie mit ihren Freundinnen sprechen (“Wissta, was neulich der Gundy ….”) Das ist erfrischend und kommt an, wie ihre Abonnentenzahlen zeigen. Jetzt sollt ihr um Himmelswillen nicht alle ihren Stil kopieren (dann wäre es eben auch nur eine Kopie). Aber es zeigt, wie wichtig es ist, im Aktiv zu schreiben. Kein Mensch spricht im Passiv, aber sobald wir uns an die Tastatur setzen, schleichen sich Passiv-Sätze ein. Sie machen Texte hölzern, leblos, fade. Schreibt also z.B.: Mr Wu nahm uns mit auf eine Runde durch den Compound. Und nicht: Die Führung wurde von Mr. Wu übernommen.

Nutze, wo immer es sich anbietet, die wörtliche Rede – dann sind deine Leser hautnah dabei. Z.B.: Naiv fragte ich den Doktor: “Warum hat denn keine der Apotheken hier Fieberzäpfchen vorrätig?” Er zuckte nur vielsagend mit den Schultern: “Ah! The British and their bottoms …” Wieviel umständlicher wäre es, das zu umschreiben; wieviel langatmiger das zu lesen.

Tipps für wortgewandten Ausdruck

Authentisch schreiben und den Leser emotional mitnehmen ist das Eine. Ein guter Text ist aber auch sprachlich ansprechend. Mark Twain bemerkte einmal ironisch:

“Gute Texte zu schreiben ist nicht schwer. Man muss nur die falschen Worte weglassen.”

Fragt sich, was sind die falschen Worte? Was die richtigen? Hier unsere drei wichtigsten Tipps:

Vermeide Hauptwörterei – dann bleibt dein Text lesbar. Z.B.: Herr XY erklärte uns, wie der Tempel entstanden ist. Nicht: Herr XY erklärte uns den Hintergrund der Entstehungsgeschichte des Tempels.
Im Deutschen darfst du immer misstrauisch sein, wenn dir Wörter auf -ung begegnen. Sie sind ein gutes Warnsignal, dass hier Bürokratendeutsch lauert. Ersetzte das Wort auf -ung durch ein Verb im Nebensatz und schon ist der Text viel lesbarer.

Verwende ausdrucksstarke Adjektive – dann wird dein Text anschaulich. Z.B. das grellweiße/altertümliche/glitzernde Bühnenbild, anstatt einfach: das eindrucksvolle Bühnenbild. (Ich nenne das inzwischen den Trump-Faktor: wenn alles “great” ist, dann ist das Wort nur noch eine Hülse, inhaltsleer, austauschbar).
Bei Bloggern sehr beliebte Adjektive sind (ich nehme mich da nicht aus): toll, inspirierend, …. Das geht meistens besser. Um Synonyme zu finden, könnt ihr z.B. das Woxikon im Internet nutzen.

Streiche Füllwörter – dann bleibt dein Text knackig. Weg mit: wohl, auch, nämlich, natürlich, schon, sehr, wirklich, bloß …..
Da hilft oft nur laut lesen und nochmal lesen und nochmal lesen, bis du alle gefunden hast. Mir entgehen sie leider viel zu oft.

Überhaupt: Laut am Bildschirm vorlesen, ist das beste Rezept, um zu erkennen, wo ein Text hakt. Wo sind Sätze zu lang? Wo fehlt ein Absatz oder bloß ein Gedankenstrich? Wo wiederhole ich mich?
Ein Koch probiert ja auch die Suppe vor dem Servieren. Mach es genauso. Und wenn du unsicher bist, dann suche dir einen Testesser, will heißen Test-Leser. Du kennst keinen? Dann nutze Online-Tools wie z.B. das BlaBlaMeter. Einfach einen Text-Abschnitt in die Analysebox kopieren, auf “Text testen” klicken und sehen “wieviel Bullshit in deinem Text steckt” (Original-Ton der Macher des BlablaMeter). Sehr gut geeignet, um Bürokraten-Deutsch zu entlarven.

Blogger 1x1 für Expatmamas: Gut schreiben - www.expatmamas.de/blog/ - #blogtipps #bloggen #expatblog #expatleben Differenzierter arbeitet das Textanalyse-Tool, weil es dir mit Hilfe einer Ampelfunktion genau sagt, was gut und was nicht so gut an deinem Text ist. Ich habe einmal einen Abschnitt aus einem meiner letzten Beiträge eingegeben und das Ergebnis seht ihr hier im Bild. Da ist noch Entwicklungsspielraum; immerhin: Keine langen Wörter oder Sätze, keine Phrasen, kein Nominalstil, kein Passiv. Puh. Glück gehabt. ;-)

Diese Grundtechniken guten Schreibens werden dir in Fleisch und Blut übergehen, je mehr du schreibst. Gleichzeitig ist Schreiben auch ein immerwährendes Training, man ist nie fertig. Perfektion ist nicht das Ziel, sondern zufriedene Leser. Und wenn dir jetzt der Kopf schwirrt und du denkst “Jetzt kann ich gar nicht mehr schreiben vor lauter Hinweisen”, dann schau nächste Woche wieder vorbei. Da geht es um Schreibblockaden und wie man sie überwinden kann.

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