Expat-Leben

Expat-Leben: Der Job im Handgepäck

Der Job im Handgepäck - www.expatmamas.de/ - #arbeitenimausland #expatmamas #imauslandzuhause

Expatmama bedeutet nicht, dass die Mama nicht trotzdem eine arbeitende Mama ist, auch wenn der Ehemann den schönen Expat-Vertrag in der Tasche hat. Trotzdem muss man sehen, dass die Expat-Zeit zunächst einmal für viele eine berufliche Auszeit bedeutet – wenn auch nicht zwangsläufig das berufliche Aus. Nur wenige Mamas bekommen von ihren Arbeitgebern für die Auslandsjahre ein Sabbatical (eine unbezahlte Freistellung) eingeräumt, die meisten müssen kündigen. Und dann? Je nach Destination ist es schwierig, im Ausland zu arbeiten; bürokratische Hürden wie eine gültige Arbeitserlaubnis und sprachliche Barrieren machen es zum Teil unmöglich, im lokalen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Auch sind Teilzeitmodelle nicht in jedem Land ein gängiges Modell. Was kann man also tun?

Festanstellung oder Selbständigkeit

Wer eine Festanstellung sucht, kann versuchen mit dem entsendenden Arbeitgeber des Ehemannes eine Anstellung für sich selbst auszuhandeln. In Großkonzernen besteht diese Möglichkeit durchaus – entsprechende Qualifikation natürlich vorausgesetzt. Wichtig ist, diese Option von Anfang an klar an die Entsendung zu knüpfen – sonst hat das entsendende Unternehmen wenig „Anreiz“ sich um das Thema zu kümmern.

Wer sich im lokalen Arbeitsmarkt um einen Job bemühen möchte, kann sich über die Permits Foundation einen Überblick verschaffen, ob miteinreisenden Expat-Partnern eine Arbeitserlaubnis erteilt wird und unter welchen Voraussetzungen. Die Hürden sind hier unterschiedlich hoch.

Und manche sehen für sich vielleicht die Möglichkeit, in der Auslandszeit freiberuflich tätig zu sein oder man ist schon vor der Expat-Zeit selbstständig und kann den Job vielleicht einfach mitnehmen, so wie Miriam als freiberufliche Roman-Autorin und Johanna mit ihrem Label Mom’s Accessories. Wir haben sie zu ihren Erfahrungen befragt.

Im Interview: Zwei Expat-Mamas über ihren Job im Handgepäck

e/m: Wie leicht war es für euch, euren Job mit umzuziehen?

Johanna: Meinen Job mit nach Seoul umzuziehen war einerseits leicht, da ich nicht viel benötige, um ihn ausführen zu können. Unser Warenbestand blieb natürlich in Deutschland und auch der Versand der Produkte findet von Deutschland aus statt. Andererseits hatte ich erst 2014 gestartet und war noch mitten im Aufbau, als wir umzogen.
Miriam: In meinem Fall zum Glück sehr leicht, da ich derzeit hauptberuflich Schriftstellerin bin – und Mama. Beide Jobs kann ich in Bangladesch wunderbar ausüben!

Laptop und Zeit

e/m: Was denkt ihr, sind die Voraussetzungen, um auch im Ausland gut selbständig arbeiten zu können?

Johanna: Die Grundvoraussetzung ist meiner Erfahrung nach ausreichend Zeit zur Verfügung zu haben. Das ist zunächst keine Auslands-spezifische, sondern eine grundsätzliche Voraussetzung, wenn man – in meinem Fall als Mutter –  selbstständig arbeitet. Sich Zeit freischaufeln und teilweise auch der Umstand als Selbstständige, vor allem von zuhause arbeitende Mutter, als solche wahrgenommen und ernst genommen zu werden, ist nicht selbstverständlich und kann schwierig sein. Im Ausland kommt dann natürlich hinzu, dass man zunächst erst mal dafür sorgen muss, dass die Kinder ankommen, sich wohl fühlen, sich heimisch fühlen und ihren Platz in der neuen Heimat eingenommen haben. Das hat erst mal Vorrang vor allen anderen Verpflichtungen. Wenn man dann soweit ist, kann das Arbeiten im Ausland als Selbstständige (Mutter) sicherlich erfolgreich sein.

Miriam: Für meinen Job brauche ich zum Glück nicht viel: Einen Laptop, gute Ideen – und eine zuverlässige Internetverbindung, um zum Beispiel zu recherchieren oder die Antworten auf diese Interviewfragen von Bangladesch aus mal eben um den halben Globus zu den „Expatmamas“ schicken zu können…

Besondere Hürden im Ausland

e/m: Was sind eurer Meinung nach die Einschränkungen?

Johanna: Wie ich eben bereits beschrieb, sind die Prioritäten, die man setzt im Ausland vielleicht nicht anders als Zuhause, allerdings wahrscheinlich etwas zeitintensiver. In unserem Falle hat es lange gedauert, bis die Große in ihrer Preschool beginnen konnte. So hatte ich einige Monate beide Kinder (3 Jahre und 1 Jahr) zuhause. Wer Kinder hat, kann sich sicherlich vorstellen, da bleibt keinerlei Zeit, um überhaupt und obendrein effektiv zu arbeiten. Im Ausland hat man nicht die Option eben schnell die Großeltern oder Tanten mit einzubinden, wenn die Arbeit das eben gerade erfordern würde – eine große Einschränkung.  Hat man den Zeitfaktor geklärt, kommt es natürlich immer auch auf die Art von Selbstständigkeit an. In meinem Falle benötige ich nicht viel Equipment und mein kleines Home-Office reicht mir vollkommen, um effektiv arbeiten zu können. Die Zeitverschiebung (8 Stunden) ist insofern suboptimal, als dass man den persönlichen Kontakt mit Kunden natürlich nur auf einen sehr kurzen Zeitraum am Tag legen kann-  und auch dann nur via Skype oder ähnlichem.  Persönliche Kundenpflege geht leider ansonsten vollkommen unter – an Netzwerktreffen oder an Messen kann ich im Moment leider überhaupt nicht teilnehmen.

Miriam: In den letzten Tagen habe ich schmerzhaft erfahren, wie sehr man vom Internet abhängig ist – und wie willkürlich in einem Land wie Bangladesch der Zugang zum Internet gesperrt werden kann. Da es in Bangladesch in der letzten Zeit zu Anschlägen gekommen ist, wurde am 19.11. ein paar Stunden lang im ganzen Land das Internet gesperrt – angeblich aus Versehen, doch vermutlich eher, um die Kommunikation von militanten Gruppen zu unterbinden. Das Internet kam dann zurück, doch Facebook ist seit diesem Tag nach wie vor gesperrt. Da ich meine Autoren-Facebookseite regelmäßig aktualisieren möchte und auch Werbeanzeigen für meine Romane über Facebook schalte, ist so eine Einschränkung echt unangenehm – und ich hoffe sehr, dass sie nicht von Dauer ist. Ich habe gehört, dass vor ein paar Jahren Youtube in Bangladesch für 220 Tage gesperrt war. Wenn man in einem Land lebt, wo solche Maßnahmen mir nichts, dir nichts umgesetzt werden, schränkt das die Möglichkeiten als Freiberufler schon ein, falls man auf das Internet und soziale Netzwerke angewiesen ist!

e/m: Denkt ihr, dass sich nach eurer Rückkehr an diesem Modell etwas ändern wird?

Johanna: Ich werde wieder aktiver netzwerken und natürlich Messen besuchen können. Darauf freue ich mich sehr. Ansonsten kann ich mir im Moment nicht vorstellen, dass sich etwas ändern würde.

Miriam: Da ich noch nicht weiß, wann wir nach Deutschland zurückkehren und was ich bis dahin genau mache, kann ich diese Frage leider nicht beantworten!

e/m: Liebe Miriam, liebe Johanna, ich danke euch für das Gespräch und wünsche euch weiter viel Erfolg!

Schau doch mal bei den beiden online vorbei: Miriams letzten Roman „Storchenhelfer“ findet ihr hier und Schönes für Mama und Kind von Johanna hier.

P.S.: Wenn du mehr lesen möchtet zum Thema, dann empfehle ich dir das Buch: A carreer in your suitcase von Jo Parfitt und Colleen Reichrath-Smith.

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